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Adaptogene: Was sie wirken und welches es gibt

Adaptogene: Wie sie wirken und welche es gibt

Bei Adaptogenen handelt es sich um pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel, häufig auch Extrakte oder Extraktmischungen aus der populären Ayurvedischen Medizin, die bei physischem (körperlich) und psychischem (mental) Stress behilflich sein können und einen positiven Effekt bei stress-induzierten Krankheiten ausüben sollen.

Doch wie genau werden sie definiert? Wie wirken Adaptogene und vor allem … welche Adaptogene gibt es?

Adaptogene: Wie sie wirken und welche es gibt

Adaptogene führen zur Stabilisierung physiologischer Prozesse und fördern so die Homöostase, das Gleichgewicht des Körpers. Werden sie über einen bestimmten Zeitraum (Tage und Wochen, selten akut) zugeführt, lässt sich das Stressaufkommen minimieren bzw. der Körper kommt besser damit zurecht, indem er sich an ein höheres Stressniveau adaptiert.

Stoffe, die als Adaptogene klassifiziert sind, werden häufig auch mit Langlebigkeit, erhöhter Libido oder einem gesteigerten Wohlbefinden in Verbindung gebracht, allerdings ist die Studienlage in diesem Segment nicht hinreichend genug. Ein Großteil der Studien, die einen positiven Effekt von Adaptogenen gezeigt haben, wurden während der 80er Jahre in der Soviet Union (UdSSR), Korea und China durchgeführt.

Adaptogene sind Stoffe, die dem Körper psychischem und körperlichem Stress behilflich sein sollen. Ginseng (hier in Wurzelform) gilt als klassisches Adaptogen neben Schisandra, Rosenwurz, Cordyceps und Ashwagandha.

Adaptogene sind Stoffe, die dem Körper bei psychischem und körperlichem Stress behilflich sein sollen. Ginseng (hier in Wurzelform) gilt als klassisches Adaptogen neben Schisandra, Rosenwurz, Cordyceps und Ashwagandha. (Bildquelle: Wikimedia / Richardfabi ; CC Lizenz)

Wie werden Adaptogene definiert?

Das Konzept der „Adaptogenese“ lässt sich auf den Pharmakologen N.V. Lazarev zurückführen, der 1947 erstmalig neuartige Effekte eines in Frankreich entwickelten Medikaments zur Blutgefäßerweiterung (Vasodilator) beschrieben hat (1).

In der UdSSR griff man die Theorie auf und beschrieb damit Stoffe und Substanzen, welche die Resistenz eines Organismus gegenüber biologischen Stressoren (z.B. oxidativer Stress) erhöhen sollen.

Folglich wurden Adaptogene damals wie folgt definiert:

„nicht-spezifische Heilmittel, welche die Resistenz auf einem breiten Spektrum von schädlichen Faktoren (Stressoren) unterschiedlicher physischer, chemischer oder biologischer Natur erhöhen.“ – (2)

Eine neuzeitliche Definition von Adaptogenen wird wie folgt konzeptualisiert:

„eine neuartige Klasse von metabolischen Regulatoren (natürlicher Herkunft), welche in der Lage ist die Fähigkeit eines Organismus zur Adaption an Umweltfaktoren zu erhöhen und um Schäden durch derartige Faktoren zu vermeiden.“ – (2)

Weitere Definitionen setzen beispielsweise voraus, dass ein Adaptogen als nicht giftig gelten darf, nicht spezifisch wirken soll und einen normalisierenden Effekt auf die Physiologie (Herstellung der Homoöstase) haben muss (3).

1998 wurde die Fachbezeichnung „Adaptogen“ von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen. Die European Medicines Agency ließ folgende Stellungnahme verlauten: „Das Konzept der Adaptogene ist ausreichend um bei der Beurteilung von traditionellen pflanzlichen Medizinprodukten berücksichtigt zu werden“ – (4).

Adaptogene im Training und als Fokus-Booster

Verschiedene Adaptogene müssen nicht zwangsweise auf demselben Weg (metabolischen Pfad) wirken, weshalb eine Kombination von zwei und mehr Adaptogenen in der Praxis durchaus Sinn ergeben kann. Adaptogene werden auch häufig in die Gruppe der nootropischen Substanzen (mentale und geistige Fitness, Konzentration & Fokus) eingeordnet, da sie bei stressigen Situationen (Beruf, Schule & Studium (Lernprozess)) die Konzentrationsfähigkeit verbessern können.

Sie werden auch häufig in Kombination mit Boostern und Stimulantien (z.B. Koffein oder Grüntee Extrakt) genutzt, um die Trainingsintensität – und damit Erfolge im Training durch Muskelaufbau und/oder Fettabbau – zu unterstützen. Man sollte die Wirkung von Adaptogenen jedoch nicht mit den Effekten von Stimulantien (oder illegalen, leistungssteigernden Mitteln) durcheinanderbringen.

Der kleine (aber feine) Unterschied zwischen Adaptogenen und Stimulantien/Doping bezüglich der Performance in Abhängigkeit der Zeit. Ein Adaptogen sorgt für einen neuen Gleichgewichtspunkt (Homöostase), der über dem vorherigen Niveau liegt, wogegen Stimulantien/Doping lediglich kurzfristig für einen Leistungsschub samt anschließendem “Crash” sorgen, von dem sich der Körper erst wieder erholen muss. (Bildquelle: Panossian (1999)

Adaptogene Pflanzen – Welche gibt es?

Darüber, welche Pflanzen (und deren Wirkstoffe) in die Gruppe der Adaptogene aufgenommen werden, gibt es zahlreiche Dispute und Diskussionen. Die nachfolgende Liste soll einen Überblick über jene Adaptogene geben, bei denen die derzeitige Studienlage eine eindeutigere Klassifikation als eben solche erlaubt (sortiert nach Art und aufgeschlüsselt in Namen (inkl. Alternativbezeichnungen):

Adaptogene Wurzeln

  • Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius)
  • Ashwagandha (Withania somnifera)
  • Asiatischer Ginseng (Panax ginseng)
  • Dangshen / Dang Shen (Codonopsis pilosula, C. tangshen)
  • Sibirscher Ginseng / Eleuthero (Eleutherococcus senticosus)
  • Mondsamen / Guduchi / Giloy (Tinospora cordifolia)
  • Lakritz / Licorice (Glycyrrhiza glabra, G. uralensis)
  • Bergscharten / Rhaponticum (Rhaponticum carthamoides)
  • Rosenwurz / Rhodiola (Rhodiola rosea)

Adaptogene Kräuter

  • Indisches Basilikum / Tulsi / Holy Basil (Ocimum sanctum, O. gratissimum)
  • Kraut der Unsterblichkeit / Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum)

Adaptogene Früchte & Samen

  • Spaltkörbchen / Schisandra (Schisandra chinensis)

Adaptogene Pilze

  • Cordyceps (Cordyceps sinensis)
  • Glänzender Lackporling / Reishi (Ganoderma ludicum)

Adaptogene Harze

  • Mumijo / Shilajit (Asphaltum bitumen)

Weitere Stressmodulatoren


Hinweis: Im Verlauf der kommenden Monate werden wir versuchen, die obige Liste mit entsprechenden (und ausführlichen) Guides zu vervollständigen, sofern es eine entsprechende Evidenz für die positive Wirkung gibt. Sobald diese veröffentlicht wurden, werden die Links entsprechend aktualisiert. Stay tuned.

Quellen & Referenzen

(1) Brekhman, II. / Dardymov, IV. (1969): New substances of plant origin which increase nonspecific resistance. In: Annu Rev Pharmacol. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/4892434.

(2) Panossian, A. / Wikman, G. / Wagner, H. (1999): Plant adaptogens. III. Earlier and more recent aspects and concepts on their mode of action. In: Phytomedicine. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10589450.

(3) Winston, D. / Maimes, S. (): Adaptogens. Herbs for Strength, Stamina and Stress Relief. Inner Traditions Bear and Company: S. 18. Erhältlich bei Amazon.de unter: https://amzn.to/2OCJZl6.

(4) European Medicines Agency (2008): Reflection Paper on the Adpotgenic Concept. URL: http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Scientific_guideline/2009/09/WC500003646.pdf.

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Bildquelle Titelbild: depositphotos / alphaspirit


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