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Food Porn ist real: Wie die Präsentation von Nahrungsmitteln & Speisen unsere Wahrnehmung beeinflusst

Food Porn ist real: Wie die Präsentation von Nahrungsmitteln & Speisen unsere Wahrnehmung beeinflusst

Food Porn ist die Kunst, Mahlzeiten und Gerichte so anzuordnen, dass sie wie phallische Objekte aussehen…

Okay, nicht ganz. Das meine ich nicht, obwohl es sicherlich Menschen da draußen gibt, die das auf irgendeine Art und Weise als erregend empfinden würden (aber ich nicht). Ich rede über diese Art von #foodporn, die du im gesamten World Wide Web findest – insbesondere auf Instagram. Verdammt, es ist ein großartiges Hashtag, welches ich ebenfalls verwende…

Wenn du jedoch zurzeit auf Diät bist, dann weißt du genau, worüber ich rede (z.B. das ewige Herumscrollen und Betrachten von Essensbildern in den sozialen Medien, die du dir gerade nicht gönnen kannst).

Eine kurze Suchanfrage nach dem Hashtag #foodporn ergibt auf Instagram 264.291.366 Posts. An diesem Trend scheint also mehr dran zu sein, als man glauben könnte.

Der Begriff Food Porn definiert, wie bestimmte Mahlzeiten und Gerichte beschrieben werden, wie sie verpackt sind, wie sie riechen und wie sie auf dem Telle angeordnet sind, was beeinflusst, wie sehr wir sie genießen. Die Wahrheit ist, dass wir mit unseren Augen, unseren Erwartungen und natürlich auch mit unseren Mündern schmecken.

Das bedeutet, dass wir bestimmten Lebensmitteln ein Premium-Erlebnis zuschreiben und andere vernachlässigen, auch wenn sie im Grunde genommen nicht so viel anders sind.  nicht anders sind.

Food Porn ist real: Wie die Präsentation von Nahrungsmitteln & Speisen unsere Wahrnehmung beeinflusst

Wir essen mit unseren Augen

Wenn man dir das gleiche Essen geben würde, es dir jedoch auf eine andere Art und Weise präsentiert, dann würdest du nicht vermuten, dass es anders schmeckt. Du würdest ganz sicher nicht behaupten, dass die Qualität des einen eindeutig besser ist, als die des anderen, oder?

Nun, in einer Studie erhielten 175 Teilnehmer einen Brownie (was für ein Glück!) und der einzige Unterschied bestand in der Art und Wiese, wie dieser Brownie präsentiert wurde: Auf einem Porzellanteller, einem Pappteller oder einer Serviette (1).

Die Probanden wurden darum gebeten, den Geschmack zu bewerten und anzugeben, wie viel sie für den Brownie bezahlen würden. Und rate mal, was passiert ist?

Folgende Angaben wurden von den Studienteilnehmern gemacht:

  • Porzellanteller: Ausgezeichnet (Geschmack) & $1,27 (Preis)
  • Pappteller: Gut (Geschmack) & $0,76 (Preis)
  • Serviette: Okay (Geschmack) & $0,53 (Preis)

Dieses Experiment zeigt uns, dass die Präsentation ein- und desselben Essens echte Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung – in diesem Fall den Geschmack und das Preisempfinden – haben kann.

Welche praktischen Implikationen ergeben sich daraus?

  • Sorge dafür, dass dein „diätfreundliches“ Essen lecker und appetitlich aussieht, z.B. indem du dein Porridge in einer schönen Schüssel anrichtest und ein wenig Zimt drüberstreust, um eine kontrastierende Farbgebung zu erhalten,
  • Achte während einer Diätphase auf die Präsentation deiner Speisen. Dies könnte dir am Ende des Tages zu einer höheren Zufriedenheit und mehr Genuss verhelfen. Ein wichtiger Aspekt, wenn die Kalorienzufuhr ohnehin schon mager ausfällt.

Beziehung zwischen der Zurückhaltung bei der Ernährung (Dietary Restraint) und dem Verzehr von Lebensmitteln mit Fitness-Branding, im Vergleich zu Lebensmitteln ohne Fitness-Branding, wenn die Lebensmittel als erlaubt (oben) bzw. verboten (unten) dargestellt werden. (Bildqelle: Koenigstorfer & Baumgartner, 2015)

Was würdest du für einen Brownie bezahlen, der auf diese schmackhafte Art und Weise auf einem Teller angerichtet wurde…? Vermutlich weitaus mehr, als für eine lieblos präsentierte – aber ebenbürtige – Alternative, denn das Auge isst bekanntlich mit. (Bildquelle: depositphotos / nata_vkusidey)

Erwartungen sind die Realität

Okay, vielleicht macht die Art und Weise, wie uns Lebensmittel präsentiert werden, einen großen Unterschied. Das macht durchaus Sinn. Aber der Name oder eine Beschreibung allein kann doch sicher nicht beeinflussen, wie sehr wir ein Essen/Getränk genießen, oder? ODER?

Nun, da wäre ich mir nicht so sicher. Jeder von uns weiß, dass Markenprodukte ein großes Business sind. Und das ist noch nicht alles: Die Art und Weise, wie Speisen und Getränke beschrieben werden, beeinflusst auch unseren Genuss – selbst wenn sich das Produkt nicht verändert.

In einer anderen Untersuchung wurde nämlich genau das festgestellt: In einer Cafeteria wurden dieselben Lebensmittel mit unterschiedlichen Bezeichnungen versehen. Dies hatte nicht nur einen massiven Einfluss darauf, wie gut sie sich verkauften, sondern auch auf den Genuss und die Wertschätzung der Menschen für das Essen.

Wenn du den Namen deines „Schokokuchens“ in “Großmutter‘s unglaublich reichhaltige Schokoladentorte” änderst, steigerst du den Umsatz eben jenes Kuchens womöglich um 27% oder mehr (1). Man stellte zudem fest, dass Individuen, welche diese beschreibenden Speisen aßen, auch mehr Gutes über die gesamte Cafeteria zu berichten hatten und die Köche als „gut ausgebildet“ beschrieben.

Und das alles nur, weil ihre Speisen anders ausgewiesen wurden.

Die folgenden Deskriptoren beeinflussen unsere Wahrnehmung von Lebensmitteln und Speisen:

  1. Geografische Kennzeichnungen
  2. Nostalgische Etiketten
  3. Sensorische Etiketten
  4. Marken

Das ist der Grund, warum die „zartschmelzende Alpenmilch-Schokolade verfeinert mit Extra-Kakao“ von Milka immer besser schmecken wird, als die „Alpenmilch-Schokolade“ von Aldi. Es liegt also nicht immer an einem Unterschied im Lebensmittel/Getränk selbst, sondern daran, dass wir die beschreibenden Lebensmittel häufig als besser wahrnehmen.

Ich bin sicher, dass es einige kleine Unterschiede zwischen den beiden oben genannten Produkten gibt, aber wahrscheinlich nicht so viele, wie wir vielleicht erwarten würden. Das ist nicht nur in der Lebensmittelbranche so – es passiert mit fast jedem konsumierbaren Produkt, z.B. werden die meisten Kleidungsstücke in der gleichen Fabrik hergestellt, aber die Marke, die sie aufgestempelt haben, bringt einen massiven Aufpreis.

Einzelhändler, Restaurants und Fast-Food-Ketten nutzen dies zu ihrem Vorteil (und du kannst das natürlich auch – mehr dazu weiter unten), zum Beispiel hat McDonald’s sein “Happy Meal“, und Restaurants verkaufen nicht einfach nur “Steak“, sondern “New Zealand Prime Steak“.

Ich will ehrlich sein… ich kann den Unterschied zwischen Markenmüsli und Eigenmarke nicht schmecken. Dasselbe gilt für viele Softdrinks, Brot, Getreide, Milchprodukte und fast alle Lebensmittel.

Welche praktischen Implikationen ergeben sich daraus?

  • Sorge einfach für ein ausreichendes Bewusstsein bezüglich deiner Wahrnehmung von Marken.
  • Kleide deine günstigeren Produktsorten in ein schöneres Gewand, z.B. indem du die Diet Cola in ein schönes Glas umfüllst.
  • Gib deinen „diätfreundlichen“ Mahlzeiten einen ansprechenden Namen. Nein, du isst nicht einfach nur „Haferbrei“. Du isst „ein leckeres Zimt-Porridge mit frischen Erdbeeren.“

Du musst kein 5 Sterne Koch sein, um deine Mahlzeiten appetitlich(er) zu gestalten. Oft reichen wenige Handgriffe aus - die sogar noch für mehr Geschmack sorgen! (Bildquelle: depositphotos / teleginatania)

Du musst kein 5 Sterne Koch sein, um deine Mahlzeiten appetitlich(er) zu gestalten. Oft reichen wenige Handgriffe aus – die sogar noch für mehr Geschmack sorgen! (Bildquelle: depositphotos / teleginatania)

Fitness Foods – Gesunde Heilsbringer?

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen zu viel “Fitness Foods” konsumieren (2), was zu einer unerwünschten Gewichtszunahme führen kann.

Und natürlich auch zu einem großen Loch in deinem Geldbeutel…

Was sind Fitness Lebensmittel?

Es handelt sich dabei um Lebensmittel, die ansonsten vielleicht „verboten“ sind, wie z.B. ein Schokoriegel, die aber als „fit“ gekennzeichnet werden.

In der Untersuchung von Koenigstorfer & Baumgartner (2015) verwendete man Studentenfutter, welches allerdings als „Fitness Food“ gelabelt wurde, indem man einen Laufschuh auf die Verpackung druckte.

Die Teilnehmer erhielten Snacks im Studentenfutter-Stil, welche entweder mit als “Fitness Food” oder „Studentenfutter” (Trail Mix) gekennzeichnet waren. Die Probanden wurden dazu angehalten, so zu tun, als würden sie sich zu Hause einen Nachmittags-Snack gönnen. Sie hatten insgesamt 8 Minuten Zeit, um das Produkt zu probieren und es zu bewerten.

Im Anschluss hatten sie die Möglichkeit auf einem stationären Fahrrad so intensiv zu trainieren, wie sie wollten.

Gestaltung des Produkt-Etiketts. (Bildqelle: Koenigstorfer & Baumgartner, 2015)

Gestaltung des Produkt-Etiketts. (Bildqelle: Koenigstorfer & Baumgartner, 2015)

Das Resultat?

Diejenigen, die aktiv auf ihr Gewicht achteten, aßen tatsächlich zu viel von der “Fitness”-Nahrung und verbrannten nicht so viele Kalorien auf dem stationären Fahrrad, wie die andere Gruppe von Personen.

Beziehung zwischen der Zurückhaltung bei der Ernährung (Dietary Restraint) und dem Verzehr von Lebensmitteln mit Fitness-Branding, im Vergleich zu Lebensmitteln ohne Fitness-Branding, wenn die Lebensmittel als erlaubt (oben) bzw. verboten (unten) dargestellt werden. (Bildqelle: Koenigstorfer & Baumgartner, 2015)

Beziehung zwischen der Zurückhaltung bei der Ernährung (Dietary Restraint) und dem Verzehr von Lebensmitteln mit Fitness-Branding, im Vergleich zu Lebensmitteln ohne Fitness-Branding, wenn die Lebensmittel als erlaubt (oben) bzw. verboten (unten) dargestellt werden. (Bildqelle: Koenigstorfer & Baumgartner, 2015)

Aber wieso ist das problematisch?

Es sollte ziemlich klar sein; die Energiebilanzgleichung hat zwei Seiten: Energiezufuhr und Energieverbrauch. Durch eine erhöhte Kalorienzufuhr und einen erniedrigten Kalorienverbrauch werden gleich zwei ungünstige Situationen herbeigeführt, die zu einer unausgewogenen Energiebilanzgleichung führen könnten, die eine Gewichtszunahme begünstigt.

Ich denke, dass dies ein recht häufig vorkommendes Phänomen in der Fitnessgemeinschaft ist. Viele von uns werden fälschlicherweise von der Vorstellung geleitet, dass Lebensmittel “gut” und “schlecht” sein können – oder sozusagen als “fit” und “unfit” deklariert werden.

Und wie beschrieben, kann dies zu unerwünschten Folgen – etwa einer Gewichtszunahme -führen, denn wir übersehen, was viel wichtiger ist: Nämlich der Gesamtkalorienverbrauch und dessen Auswirkung auf unsere eigene Energiebilanz.

Folgende Lebensmittel werden gemeinhin mit den Attributen „gut“ und „fit“ versehen, obwohl sie problematisch (da kalorienreich) sind:

  • Nüsse.
  • Salat (mit reichlich Dressing)
  • Fetter Fisch.
  • Hafer- und Energieriegel
  • Fruchtsäfte
  • Getrocknete Früchte
  • Avocados
  • Olivenöl
  • Leinsamen und -saaten

Die Liste ließe sich mit Sicherheit noch fortsetzen, aber worauf ich hinaus möchte, ist, dass diese Lebensmittel so eine Art von „Heiligenschein“ von uns verliehen bekommen, der impliziert, dass man bei ihnen nichts falsch machen kann, wenn man sie konsumiert.

Wichtig: Damit will ich gewiss nicht sagen, dass die oben genannten Lebensmittel deshalb “schlecht” sind. Der Punkt ist, dass die oben genannten Lebensmittel kalorienreich sind und daher leicht übermäßig konsumiert werden können. Wenn wir diese Lebensmittel pauschal als „gut“ und „gesund“ abstempeln, kann dies dazu führen, dass wir eher zu einem Überkonsum neigen.

Kein Lebensmittel ist per segut” oder “schlecht“- Lebensmittel sind das, was sie sind – Nahrung:

  • Makronährstoffe
  • Mikronährstoffe
  • Kalorien

Denn unser Körper weiß nicht, was wir essen, sondern nur, was wir durch die gegessene Nahrung bekommen. Und vermeintliches „Fitness Food“ kann ebenso zu einer Verschlechterung von Körpergewicht und -komposition sein, wie „ungesunde“ oder „konventionelle“ Lebensmittel.

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln als solche nützt uns als Endkonsumenten im Endeffekt nur wenig, wenn wir nicht genau hinsehen.


Food Porn ist in der Tat ein reales Phänomen

Wie du erfahren konntest, hat die Art und Weise, wie uns Lebensmittel präsentiert und beschrieben werden, reale Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung und unsere (Kauf-)Entscheidungen:

  • Wir sehen sie als besser oder gesünder an.
  • Wir neigen dazu, mehr von ihnen zu essen.
  • Wir sind sogar bereit, mehr für sie zu zahlen.

Dies kann nicht nur unsere Gesundheit beeinträchtigen, sondern auch unser Bankkonto. Hüte dich  also vor „Food Porn“, denn es könnte dich schlicht und ergreifend überrumpeln…

Quellen, Referenzen & Weiterführende Literatur

(1) Wansink, B. (2006): Mindless Eating: Why We Eat More Than We Think. New York, NY: Bantam. Erhältlich auf Amazon.de.

(2) Koenigstorfer, J. / Baumgartner, H. (2015): The Effect of Fitness Branding on Restrained Eaters’ Food Consumption and Post-Consumption Physical Activity. In: J Marketing Res. URL: https://journals.sagepub.com/doi/10.1509/jmr.12.0429.


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Bildquelle Titelbild: depositphotos / michaeljung


 

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