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„Alles nur aufgepumpt“: Ist die Muskulatur von Bodybuildern tatsächlich schwach (für ihre Größe)?

„Alles nur aufgepumpt“: Ist die Muskulatur von Bodybuildern tatsächlich schwach (für ihre Größe)?

(Freizeit-)Sportler, die ihre Körperkraft signifikant erhöhen wollen, absolvieren ein regelmäßiges Trainingsprogramm bei dem sie mit Widerständen (z.B. Hanteln und Geräten) trainieren. Die verwendeten Gewichte werden dabei progressiv erhöht, so dass über den Verlauf von Wochen, Monaten und Jahren höhere Tonnagen bewegt werden.

In Kombination mit der täglichen Ernährung (ausreichende Kalorien- und Proteinzufuhr), sowie genügend Ruhe, führt das sogenannte „Krafttraining“ zu einer Vergrößerung der Skelettmuskulatur („Hypertrophie“) (4). Jeder, der schon einmal selbst trainiert hat, wird bezeugen können, dass der Muskelaufbau mit einem Anstieg der Körperkraft einhergeht. Tatsächlich erhöht sich die Kraft sogar im Zuge neuronaler Adaptionen noch bevor ein nennenswerter, trainingsinduzierter Zuwachs an Muskulatur stattfindet (5) – deswegen können Trainingsanfänger und Wiedereinsteiger die verwendeten Trainingsgewichte meist binnen kürzester Zeit verdoppeln oder gar verdreifachen.

Diese „Honeymoon“-Phase hält allerdings nicht ewig. Kraftzuwächse flachen mit zunehmendem Muskelmasseanteil ab, so dass austrainierte Elite-Sportler auch an den letzten Stellschrauben drehen (optimieren) müssen, um infinitesimale Fortschritte zu erzielen, bis sie ihren Peak erreichen.

Stark, aber nicht am stärksten

Menschen mit stark ausgeprägter Muskulatur, etwa Bodybuilder, trainieren häufig mit Gewichten, die ein Normalsterblicher (sprich: Nicht-Trainierender) nicht einmal vom Boden heben kann oder bei denen er Gefahr laufen würde sich ernsthaft zu verletzen.

Nichtsdestotrotz hört und liest man immer wieder, „dass Bodybuilder für die Größe ihrer Muskulatur relativ schwach seien“. Unzählige Anekdoten, bei denen massive Bodybuilder mit verhältnismäßig leichten Gewichten trainieren, bestärken solche Behauptungen und führen zu solchen Aussagen, wie z.B. „Ach, das ist alles nur heiße Luft“ oder „Die Muskeln sind nur aufgepumpt, da steht keine Power dahinter“.

Zwar stimmt es durchaus, dass Bodybuilder nicht zu den stärksten Individuen auf dem Planeten gehören – dieses Privileg fällt klassischen Gewichthebern, Powerliftern oder gar Strongmen zu (6) – allerdings kann man sie, gemessen am Durchschnittsbürger, mit Fug und Recht als ausgesprochen stark bezeichnen.

Sarkoplasmatische Vs. myofibrilläre Hypertrophie

Eine potenzielle Erklärung dafür, warum Bodybuilder nicht so stark sind wie andere Spitzenathleten, die mit Gewichten trainieren, wird in der Art des Trainings vermutet, welches eine sarkoplasmatische Hypertrophie (Vergrößerung des Volumens des Sarkoplasmas innerhalb der Muskelfaser, wodurch sich deren Größe erhöht) anstelle einer myofibrillären Hypertrophie (Steigerung der Anzahl der Myofibrillen) begünstigt. Hierbei erhöht sich zwar die Größe der Muskulatur, aber es kommt zu keiner nennenswerten Steigerung der Körperkraft). Bis dato ist jedoch ungeklärt, ob ein Bodybuilding-orientiertes Training zu einer höheren sarkoplasmatischen und geringeren myofibrillären Hypertrophie führt (3).

Sarkoplasmische Vs. myofibrilläre Hypertrophie. (Bildquelle: Zatsiorsky et al., 2020)

Sarkoplasmatische Vs. myofibrilläre Hypertrophie. (Bildquelle: Zatsiorsky et al., 2020)

Können Bodybuilder für ihre Muskelgröße also tatsächlich als „zu schwach“ bezeichnet werden? Ein etwas anderer Ansatz besteht darin sich die Muskulatur von Bodybuildern in Bezug auf Größe und Kraft genauer anzusehen und diese mit der normalen, nicht-trainierenden Bevölkerung zu vergleichen. Hierzu ist es vonnöten sich die Kraft individueller Muskelfasern (in Relation zu ihrer Größe, d.h. der spezifischen Spannung) anzusehen, um verschiedene Faktoren, wie z.B. die neuronale Komponente und Muskelansatzstellen, welche die Kraft ebenfalls beeinflussen, auszuklammern. Eine solche Arbeit wurde vor nicht allzu langer Zeit, nämlich im Jahr 2021, in der Acta Physiologica, publiziert.

Lass‘ uns also am besten schauen, welche Erkenntnisse die beteiligten Wissenschaftler darin für uns gewinnen konnten. (...)


Dieser Artikel erschien in der 10/2022 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: depositphotos / vishstudio


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