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Overtraining oder Undereating? Der Zusammenhang zwischen geringer Energieverfügbarkeit (RED-S) & Übertraining (OTS)

Overtraining oder Undereating? Der Zusammenhang zwischen geringer Energieverfügbarkeit (RED-S) & Übertraining (OTS)

Innerhalb der Kraftsport- und Bodybuilding-Szene gibt es zahlreiche zotige Sprüche, die stets mit einer gewissen Prise an Ironie genossen werden müssen. Solche Aussagen wie „Pain is weakness, leaving the body“ oder „Go hard or go home“ mögen zwar für den einen oder anderen durchaus motivierend wirken, wenn es darum sich im Gym zu pushen, aber selbstverständlich weiß auch jeder von uns, dass ein akuter stechender Schmerz in der Schulter beim Training keinesfalls ignoriert werden sollte oder dass zu viel Gewicht auf der Stange mit einer schlechten Ausführungstechnik – und damit einem erhöhten Verletzungsrisiko – einhergeht.

Die häufig geäußerte Behauptung, „There is no such thing as overtraining, only undereating“, reiht sich ebenfalls in diesen illustren Club ein - schließlich impliziert man mit einem solchen Statement, dass so etwas wie ein Übertrainingssyndrom (Overtraining Syndrome, abgekürzt als OTS) in der Praxis nicht existiert und das Überlastungserscheinungen lediglich die Folge eine unzureichenden Energie- und Makronährstoffzufuhr sind.

Das ist natürlich Quatsch. Übertraining* ist ein reales Phänomen, welches vor allem ambitionierte (Leistungs-)Sportler betrifft und das über längere Zeiträume anhält, so dass es zu Einbußen in Sachen Performance und Schlafstörungen kommen kann (3). Zudem geht damit häufig auch hormonelle, immunologische und psychologische Dysregulation einher (3). All das sind Faktoren, die Athleten keineswegs auf die leichte Schulter nehmen sollten.

* Nicht zu verwechseln mit dem „Overreaching“ (OR), welches zwar identische Symptome aufweist und das als Vorstufe zum Übertraining gesehen wird, jedoch einen geringeren Zeithorizont umfasst und einen potenziellen Performance-Rebound einschließen kann (2)(14)(15).

Mögliche Darstellung der verschiedenen Trainingsstadien: Funktionales Overeaching (OR), Nicht-funktionales Overreaching (NFOR) und Übertrainingssyndrom (OTS) nach Meeusen et al., 2013, mit symptomatischen Stimmungsänderungen als Stadienindikatoren. (Bildquelle: Birrer, D. 2019)

Mögliche Darstellung der verschiedenen Trainingsstadien: Funktionales Overeaching (OR), Nicht-funktionales Overreaching (NFOR) und Übertrainingssyndrom (OTS) nach Meeusen et al., 2013, mit symptomatischen Stimmungsänderungen als Stadienindikatoren. (Bildquelle: Birrer, D. 2019)

Eine adäquate Versorgung mit Energie, sowie Makro- und Mikronährstoffen ist jedoch überaus wichtig für aktive Sportler, die intensiv trainieren und auf spürbare Fortschritte, z.B. hinsichtlich Kraft und Hypertrophie, erzielen möchten. Eine geringe Energieverfügbarkeit („Low Energy Availability“, kurz: LEA) – auch bekannt als „Undereating - wird grundsätzlich als ursächlicher Faktor für einen relativen Energiemangel im Sport („Relative Energy Deficiency in Sport“, kurz: RED-S) verantwortlich gemacht, dessen Symptome sich auf eine ähnliche Art und Weise äußern, wie beim Übertrainingssyndrom bzw. beim Overreaching (1).

In ihrem Positionspapier aus dem Jahre 2014, welches vier Jahre später (2018) noch einmal aktualisiert wurde, definierte das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Begriff des „Undereatings“ wie folgt:

"LEA, das dem Konzept von RED-S zugrunde liegt, ist ein Missverhältnis zwischen der Energiezufuhr eines Sportlers (Ernährung) und dem Energieverbrauch beim Training, was dazu führt, dass nicht genügend Energie zur Verfügung steht, um die vom Körper benötigten Funktionen zur Aufrechterhaltung einer optimalen Gesundheit und Leistung zu unterstützen." - Mountjoy et al., 2018

Mögliche Auswirkungen auf die Performance infolge eines relativen Energiemangels im Sport (RED-S). (Bildquelle: Mountjoy et al., 2018)

Mögliche Auswirkungen auf die Performance infolge eines relativen Energiemangels im Sport (RED-S). (Bildquelle: Mountjoy et al., 2018)

Für eine korrekte Diagnose des Übertrainingssyndroms müssen daher auch potenzielle Störfaktoren, wie z.B. der Gesundheitszustand oder eine unzureichende Zufuhr an Energie, sowie Makro- und Mikronährstoffen, berücksichtigt werden, damit exzessiver Trainingsstress (die eigentliche Ursache eines Übertrainingssyndroms) zu isolieren und eine Fehldiagnose zu vermeiden (3) (hierbei gilt es auch zu bedenken, dass die aktuellste Konsensdefinition hinsichtlich Übertraining rund ein Jahr vor der Einführung des RED-S Konzepts publiziert wurde (5)).

Die Frage, um die es im weiteren Verlauf dieses Beitrags gehen soll, ist daher folgende: Kann die Präsenz eines RED-S zu einer fälschlichen OTS-Diagnose führen?

In einem kürzlich veröffentlichten Review untersuchte ein Forscherteam diese Fragestellung, indem ein Set aus Studien analysiert wurde, die darauf abzielten, ein Overreaching bzw. Übertraining in Probanden zu induzieren. Die Ergebnisse sind überaus überraschend und dürften die Art und Weise, wie du Studien zum Thema Übertraining interpretierst, verändern.

Lass‘ uns am besten gleich einen Blick drauf werfen. (...)


Dieser Artikel erschien 02/2022 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / julief514


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