Weiblich, aktiv und unterversorgt: Niedrige Energieverfügbarkeit (LEA) in Sportlerinnen

Weiblich, aktiv und unterversorgt: Niedrige Energieverfügbarkeit (LEA) in Sportlerinnen

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Wir alle wissen inzwischen, dass eine ungesunde (und unzureichende) Ernährung einen signifikanten Einfluss auf viele Facetten der Gesundheit hat – sie beeinflusst nicht nur unsere Körperkomposition, sondern auch die Knochengesundheit, das Herz-Kreislauf-System, unsere Hormonspiegel und viele andere Dinge, die für gutes und langes Leben verantwortlich sind.

Dies gilt freilich nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen, insbesondere dann, wenn sie sportlich aktiv sind. Sportlerinnen sind nicht einfach nur männliche Athleten, die lediglich weniger wiegen – sie besitzen ganz spezifische Ernährungsbedürfnisse, denen nicht immer Rechnung getragen wird.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Black et al. (2019), die im Strength Conditioning Journal veröffentlicht wurde, bei der es darum ging zu untersuchen, inwiefern körperlich aktive Frauen ihren persönlichen Energiebedarf decken (1).

Weiblich, aktiv und unterversorgt: Niedrige Energieverfügbarkeit (LEA) in Sportlerinnen

Zusammen mit ihren Kollegen führte Dr. Katherine Black, die an der New Zealand University of Otago im Bereich der Humanernährung tätig ist, eine Literaturrecherche zum Thema „Low Energy Availability“ (LEA) durch.

Low Energy Availability“ steht für niedrige Energieverfügbarkeit – es ging also im Grunde genommen darum herauszufinden, in welchem Rahmen Sportlerinnen unter einer chronischen Unterversorgung mit Kalorien leiden.

Neben signifikanten negativen Auswirkungen auf die Knochen-, sowie endokrine, immunologische, kardiovaskuläre, gastrointestinale, reproduktive und psychologische Gesundheit führt eine chronische niedrige Energieverfügbarkeit auch zu einer langfristigen Abnahme der sportlichen Leistung.

“Weibliche Athletinnen haben oft eine Energiezufuhr, die nicht mit ihrem hohen Energieaufwand übereinstimmt. Manchmal liegt das daran, dass sie ihre Kalorienzufuhr aus Leistungs- oder ästhetischen Gründen gezielt einschränken. Und manchmal kann es versehentlich aufgrund erhöhter Trainingslasten, Wettkämpfe oder mangelndem Wissen darüber passieren, wie sie am besten für die Anforderungen ihres Sports oder ihrer Bewegung tanken können, passieren,“ so Dr. Black.

Erschwerend kommt häufig hinzu, dass die Nahrungsaufnahme (und Energiezufuhr) durch hormonelle Faktoren beeinflusst wird, die zu signifikanten Variationen von Hunger und Appetit führen, so dass es vielen Sportlerinnen schwerfällt, eine adäquate Energiezufuhr im Verlauf des Menstruationszyklus sicherzustellen.

Trotz der schwerwiegenden negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit scheint das Bewusstsein bezüglich der niedrigen Energieverfügbarkeit in der sportlichen Community bis dato äußerst gering zu sein. Die Arbeit der Wissenschaftler zeigt jedoch, dass die Prävalenz von LEA zwischen 2% (bei Ausdauersportlern auf Vereinsebene) bis zu 77% (bei professionellen Balletttänzerinnen) liegt.

“Erst in jüngster Zeit beginnen wir, das wahre Ausmaß der schlechten Ernährung in Verbindung mit Bewegung bei Frauen zu entdecken. Da wir mehr Frauen zum Sport ermutigen, müssen wir auch wissen, wie wir sicherstellen können, dass ihre Gesundheit nicht beeinträchtigt wird”, führt die Forscherin weiter aus. “Der Schwerpunkt der LEA-Forschung und -Praxis sollte auf Prävention statt auf Prävalenz liegen – man sollte möglichst frühzeitig mit der Entwicklung von guten Ernährungs-, Trainings- und Körperbildgewohnheiten beginnen, die auch umsetzbar sind.“

Bei einer gesunden Ernährung geht es nicht nur um die Lebensmittelauswahl, sondern auch um eine adäquate Menge in Form von Makronährstoffen und Kalorien. Wer regelmäßig Sport treibt, kommt mit einem Salat nicht besonders weit. (Bildquelle: Fotolia / weyo)

Bei einer gesunden Ernährung geht es nicht nur um die Lebensmittelauswahl, sondern auch um eine adäquate Menge in Form von Makronährstoffen und Kalorien. Wer regelmäßig Sport treibt, kommt mit einem Salat nicht besonders weit. (Bildquelle: Fotolia / weyo)

Trainer, Eltern und Sportler müssen sich der Anzeichen einer niedrigen Energiezufuhr (z.B. durch eine erhöhte Anzahl von Verletzungen oder auftretenden Erkrankungen) bewusst sein und bei Bedarf Rat ersuchen. Demzufolge sollten Sportlerinnen auch wissen, dass Menstruationsstörungen nicht normal sind.

Einige Möglichkeiten, wie Athleten und Trainer LEA vermeiden können, umfassen das Verständnis der verschiedenen Nährstoffbedürfnisse in den Phasen des Menstruationszyklus (3), die Förderung der Regeneration durch Essen nach dem Training, die Gestaltung von Trainingsprogrammen unter Berücksichtigung von Anzeichen von LEA, Müdigkeit oder Übertraining, die umfassende Pflege und Planung bei der Beratung von Athleten, die während des Trainings Körperfett reduzieren möchten, sowie die Optimierung energieintensiver Lebensmittel und die Förderung flüssigkeitsbasierter Regenerationsoptionen.

Eine Möglichkeit, wie die Industrie dabei helfen kann, über dieses wichtige Thema aufzuklären, besteht darin entsprechende Treffen mit Forschern und Praktikern in die Wege zu leiten, welche Best-Practice Prinzipien bezüglich der speziellen Schwierigkeiten bei weiblichen Athletinnen festlegen – so ein Projekt wird beispielsweise vom High Performance Sports New Zealand (HPSNZ) betrieben.

“Durch die gezielte Hervorhebung der gesundheitlichen Auswirkungen von LEA und die richtige Ernährung im Zuge des Trainings und der Performance könnten die Gesundheitsergebnisse vieler Athletinnen verbessert werden und diese so im Verlauf ihrer sportlichen Karriere begleiten,“ führt Dr. Black aus.

Quellen, Referenzen & Weiterführende Literatur

(1) Black, KE. / Baker, DF. / Sims, ST. (2019): Nutritional Needs of the Female Athlete. In: Strength Cond J. URL: https://journals.lww.com/nsca-scj/Abstract/publishahead/Nutritional_Needs_of_the_Female_Athlete__Risk_and.99357.aspx.

(2) ScienceDaily (2019): Detrimental effect of overlooking female athletes’ nutritional needs. URL: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/03/190325101355.htm.

(3) Dieter, B. (2016): Weiblicher Zyklus: Ist eine angepasste Nährstoffperiodisierung sinnvoll? In: AesirSports.de. URL: https://aesirsports.de/weiblicher-zyklus-menstruation-angepasste-naehrstoffperiodisierung/.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / Drobot Dean


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