Schützen fermentierte Milchprodukte vor koronaren Herzerkrankungen?

Schützen fermentierte Milchprodukte vor koronaren Herzerkrankungen?

Von Marius Krämer | Benötigte Lesezeit: 3 Minuten |


In der Vergangenheit zeigten Untersuchungen, dass der Konsum von fermentierten Milchprodukten – beispielsweise Käse, Joghurt, Quark, Kefir oder Sauermilch – womöglich positive Effekte auf das Blutlipid und die Herzgesundheit haben (2).

Forscher der University of Eastern Finland entschlossen sich dazu die Effekte dieser Produkte – im Hinblick auf koronarer Herzerkrankungen – zu untersuchen (wobei man den Fermentationszustand und Fettgehalt der Produkte mit berücksichtigte (1).

Da Finnland von Haus aus einen hohen Verzehr von Milchprodukten aufweißt, bediente man sich der Daten der Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study (KIHD), um den Sachverhalt näher in einer Kohorte finnischer Männer mittleren und höheren Alters zu untersuchen.

 

Schützen fermentierte Milchprodukte vor koronaren Herzerkrankungen?

Die Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study

Die KIHD wurde designt, um Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atherosklerose und damit verbundene Outcomes in einer Population einer zufällig ausgewählten Stichprobe von finnischen Männern näher zu erforschen. Insgesamt wurden 2 Kohorten (2.682 Männer) für diese Untersuchung rekrutiert.

Die erste Kohorte (1984 – 1886) bestand aus 1.166 Männern im Alter von 54 Jahren, während die Zweite (1986 – 1989) aus 1.516 Männern im Alter von 42, 48, 54 und 60 Jahren.

Vier und elf Jahre nach der Erhebung der Basisausgangswerte wurden Nachprüfungen durchgeführt. Das KIHD Studienprotokoll wurde vom Research Ethics Commitee oft he University of Kuopio zugelassen.

Der Studienaufbau

Die vorliegende Arbeit von Tim Koskinen et al. (2018), um die es im weiteren Verlauf geht, exludierte Individuen aus der Analyse, die bereits in der Vergangenheit Probleme mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit hatten (n=677) oder wenn Angaben zur Ernährung fehlten (n=24) (1). Insgesamt wurden die Daten von 1.981 finnischen Männer berücksichtigt.

Man teilte die Individuen auf Basis des Konsums von fermentierten Milchprodukten in vier Gruppen eingeteilt, sogenannte „Quartile“, wobei die Q1-Gruppe jene Individuen mit dem niedrigsten Verzehr („die untersten 25% der Stichprobe“) und die Q4-Gruppe jene Individuen mit dem höchsten Verzehr umfasst („die obersten 25% der Stichprobe“). Zudem wurden weitere Einflüsse (Lifestyle & Ernährungsgewohnheiten) in der Analyse berücksichtigt.

Schützen fermentierte Milchprodukte vor koronaren Herzerkrankungen?

 

Liste der inkludierten Milchprodukte, eingeteilt in fettarmen und fettreichen fermentierten und nicht-fermentierten Milchprodukten mit durchschnittlicher Zufuhr (in g/Tag). (Bildquelle: Koskinen et al., 2018)

Zu welchen Ergebnissen kam die Studie?

Im untersuchten Studienzeitraum (etwa 20 Jahre) erlitten 472 der berücksichtigten Individuen eine koronare Herzerkrankung.

Ein Vergleich der beiden Gruppen mit dem höchsten Konsum von fermentierten Milchprodukten (Fettgehalt weniger als 3,5%) und mit dem geringsten Konsum von fermentierten Milchprodukten (Fettgehalt ebenfalls weniger als 3,5%) zeigte sich ein um 26% geringeres Risiko für koronare Herzerkrankungen (1).

Sauermilch war die am häufigsten verwendete Quelle von fermentierten Milchprodukten mit einem geringen Fettgehalt).

Schützen fermentierte Milchprodukte vor koronaren Herzerkrankungen?

 

Kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit bzw. Ausfallwahrscheinlichkeit im Falle eines Auftretens einer koronaren Herzerkrankung nach Quartilen (und Konsum fermentierter bzw. nicht-fermentier Milchprodukte). (Bildquelle: Koskinen et al., 2018)

Zwischen dem Konsum von fermentierten Milchprodukten mit viel Fett und dem Risiko für eine koronare Herzerkrankung konnte kein Zusammenhang festgestellt werden (1), allerdings fanden die Forscher ein erhöhtes Risiko im Falle des Konsums von nicht-fermentierten Milchprodukten.

Milch war, mit durchschnittlich 0,9 Litern pro Tag, das hier höchst frequentierte Lebensmittel.

Was bedeutet das für uns?

Jyrki Virtanen betont, dass der Konsum von Milch und Sauermilch in Finnland zwar abgenommen hat, dafür aber der Konsum von fermentierten Milchprodukten, etwa Joghurt, Quark und Käse, populärer geworden ist.

Diese und weitere Studien zeigen, dass fermentierte Milchprodukte einige gesundheitliche Vorteile gegenüber normalen Milchprodukten haben könnten.

Es gilt zu bedenken, dass es sich hierbei lediglich um eine Beobachtungsstudie handelt, die zwar eine Korrelation, jedoch keine nachweisbare Kausalität herstellt.

Oder in einfachen Worten ausgedrückt: Die Studie lehrt uns, dass Männer mittleren Alters, die regelmäßig fermentierte Milchprodukte verzehren, im Vergleich mit ihren Pendants, die wenig/keine fermentierten Milchprodukte verzehren, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit im Falle einer koronaren Herzerkrankung besitzen.

Ob dies jedoch tatsächlich an den fermentierten Milchprodukten liegt, müssen zukünftige Arbeiten klären, doch bis dahin kann es nicht schaden, wenn man öfter mal zugreift. Die wohltuende Wirkung von fermentierten Lebensmitteln, z.B. hinsichtlich Darmflora, ist ja nun nicht gänzlich neu (siehe hierzu unseren Beitrag zu Pro- und Präbiotika).


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Quellen & Referenzen

(1) Koskinen, TT., et al. (2018): Intake of fermented and non-fermented dairy products and risk of incident CHD: the Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study. In: Br J Nutr. URL. https://doi.org/10.1017/S0007114518002830.

(2) Alexander, DD., et al. (2016): Dairy consumption and CVD: a systematic review and meta- analysis. In: Br J Nutr. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26786887.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / expressiovisual


Über Marius Krämer

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