Ist eine erhöhte Aufnahme an Cholin (Phosphatidylcholin) dazu in der Lage uns vor Demenz zu schützen?

Cholin zum Schutz vor Demenz und zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit?

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Forscher der Universität von Ostfinnland haben in einer neuen Untersuchung demonstriert, dass eine erhöhte Aufnahme von Cholin (Phosphatidylcholin) über die Nahrung (z.B. durch Eier und Fleisch) mit einem verringerten Risiko für Demenzerkrankungen und einer erhöhten kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht.

Die Ergebnisse wurden just im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht (1).

Ist eine erhöhte Aufnahme an Cholin (Phosphatidylcholin) dazu in der Lage uns vor Demenz zu schützen?

Cholin ist eine vitaminähnliche Substanz, die in der Regel in unserer alltäglichen Nahrung in verschiedenen Verbindungen vorkommt und der für die Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin notwendig ist (3).

Frühere Studien haben gezeigt, dass die Zufuhr von Cholin mit kognitiven Verarbeitungsprozessen verknüpft ist und eine wichtige Rolle bei der Prävention von kognitiver Degeneration (Alzheimer) spielt (4). Tatsächlich wird Cholin heutzutage in nährstoffreichen medizinischen Getränken zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit eingesetzt (5).

Die Daten der vorliegenden Untersuchung stammen aus der Kuopio Ischämic Heart Disease Risk Factor Study (KIHD). Zu Beginn der Studie (1984-1989) analysierten Forscher rund 2.500 finnische Männer im Alter zwischen 42 und 60 Jahren auf ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, sowie auf ihre Gesundheit im Allgemeinen. Diese Daten wurden nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 22 Jahren mit den Krankenhausakten, den Todesursachenakten und den Medikamentenerstattungsakten kombiniert.

Darüber hinaus absolvierten vier Jahre nach Beginn der Studie etwa 500 Männer Tests zur Messung ihres Gedächtnisses und ihrer kognitiven Verarbeitung. Während der Nachuntersuchung entwickelten 337 Männer eine Demenz.

Die neue Studie demonstriert, dass das Demenzrisiko bei Männern mit der höchsten Aufnahme von Phosphatidylcholin – im Vergleich zu Männern mit der niedrigsten Aufnahme – um 28% geringer ausfiel.

Demenzrisiko in Quartilen durch die Aufnahme von Gesamtcholin und Phosphatidylcholin bei 2497 Männern aus der Kuopio Ischämic Heart Disease RiskFactor Studie.

Demenzrisiko in Quartilen durch die Aufnahme von Gesamtcholin und Phosphatidylcholin bei 2497 Männern aus der Kuopio Ischämic Heart Disease RiskFactor Studie. (Bildquelle: Maija et al., 2019)

Zudem berücksichtigten die Analysen wichtige weitere lebensstil- und ernährungsbezogene Faktoren, welche die beobachteten Zusammenhänge hätten erklären können. Eine zusätzliche Berücksichtigung fand auch für das APOE4-Gen statt, das für die Alzheimer-Krankheit prädisponiert und in der finnischen Bevölkerung weit verbreitet ist, berücksichtigt (aber in dieser Untersuchung keinen signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse hatte).

Männer mit der höchsten Aufnahme von Phosphatidylcholin in der Nahrung zeichneten sich auch durch Tests zur Messung ihres Gedächtnisses und ihrer sprachlichen Fähigkeiten aus.

Kognitive Leistung nach einem 4-jährigen Follow-Up bei Tertilen von Baseline-Gesamtcholin- und Phosphatidylcholin-Einnahmen bei 482 Männern aus der Cuopio Ischämic Heart Disease Risk Factor Study.

Kognitive Leistung nach einem 4-jährigen Follow-Up bei Tertilen von Baseline-Gesamtcholin- und Phosphatidylcholin-Einnahmen bei 482 Männern aus der Cuopio Ischämic Heart Disease Risk Factor Study. (Bildquelle: Maija et al., 2019)

Diese Ergebnisse sind signifikant, wenn man bedenkt, dass mehr als 50 Millionen Menschen weltweit an einer Gedächtnisstörung leiden, die in einer Demenz mündet (6) – und die Zahl wird sich voraussichtlich mit steigendem Alter innerhalb der Bevölkerung weiter erhöhen.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, für die es derzeit noch keine Heilung gibt. Die neuen Erkenntnisse können daher eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz spielen, wobei eine erfolgreiche Demenzprävention die Summe vieler Dinge ist, die in diese Gleichung mit hineinspielen. Insofern könnten sich selbst kleine Einzelfaktoren womöglich positiv auf das Gesamtrisiko auswirken, so dass es darum geht, den Krankheitsbeginn so weit es möglich ist hinauszuzögern.

Die wichtigsten Quellen für Phosphatidylcholin in der Ernährung der Studienpopulation waren Eier (39%) und Fleisch (37%), allerdings enthalten Milchprodukte, Fisch, Getreideprodukte sowie Obst und Gemüse ebenfalls nennenswerte Mengen der Vitalstoffe.

Nahrungsmittel, welche erhöhte Mengen an Cholin und Phosphatidylcholin liefern.

Nahrungsmittel, welche erhöhte Mengen an Cholin und Phosphatidylcholin liefern. (Bildquelle: Maija et al., 2019)

Wichtig in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass es sich hierbei lediglich um eine Observationsstudie und kein kontrolliertes Experiment handelt.

Gemäß der Autoren der Studie ist dies die erste Untersuchung, welche den Zusammenhang zwischen Cholin und dem Demenzrisiko untersucht hat, insofern bleibt es an zukünftigen Studien zu zeigen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aufnahme von Cholin und einem verringerten Risiko für Demenz gibt.

Quellen, Referenzen & Weiterführende Literatur

(1) Maija, P., et al. (2019): Associations of dietary choline intake with risk of incident dementia and with cognitive performance: the Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study. In: Am J Clin Nutr. URL: https://academic.oup.com/ajcn/advance-article-abstract/doi/10.1093/ajcn/nqz148/5540729?redirectedFrom=fulltext.

(2) ScienceDaily (2019): Dietary choline associates with reduced risk of dementia. URL: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/08/190806101530.htm.

(3) Frank, K. (2013): Cholin: ergogenisches Pseudovitamin & kognitive Leistung. In: AesirSports.de. URL: https://aesirsports.de/cholin-ergogenisches-pseudovitamin-kognitive-leistung/.

(4) Plusztajn, JK. / Slack, BE. / Mellott, TJ. (2017): Neuroprotective actions of dietary choline. In: Nutrients. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28788094.

(5) Soininen, H., et al. (2017): 24-month intervention with a specific multinutrient in people with prodromal Alzheimer’s disease (LipiDiDiet): a randomised, double-blind, controlled trial. In: Lancet Neurol. URL: https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(17)30332-0/fulltext.

(6) Prince, M., et al. (“2013): The global prevalence of dementia: a systematic review and meta-analysis. In: Alzheimers Dement. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23305823.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / LIGHTFIELD STUDIOS


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