Depression & depressive Stimmung: Kann eine gesündere Ernährung helfen?

Kann eine gesunde Ernährung bei depressiver Stimmung helfen?

Von Damian Minichowski | Benötigte Lesezeit: 14 Minuten |


Sicherlich hast du bereits gewusst, dass unsere Ernährung eine signifikante Rolle spielt, wenn es darum geht die körperliche Leistungsfähigkeit zu fördern und uns physisch gesund zu halten, aber wie steht es eigentlich mit den psychischen Effekten unserer täglichen Lebensmittel?

Depressionserkrankungen sind global auf dem Vormarsch. Gemäß einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO haben wir 2015 die der 300 Millionen Betroffenen durchbrochen, die unter Depressionen leiden (2). Und diese Zahl wird noch einmal verdoppelt, wenn man jene Personen hinzuzählt, die unter Angststörungen leiden, wobei Erkrankte häufig sogar an beidem leiden (Komorbidität) (2) und sich die Zahl daher nicht so einfach aufaddieren lässt (auf der anderen Seite beinhalten die Zahlen jedoch nicht die subklinischen Symptome einer Depression bzw. Angststörung (3), die innerhalb der Bevölkerung ebenfalls gehäuft auftreten).

Globale Prävalenz von depressiven Erkrankungen nach Alter und Geschlecht.

Globale Prävalenz von depressiven Erkrankungen nach Alter und Geschlecht. (Bildquelle: WHO, 2017)

Globale Prävalenz von Angststörungen nach Alter und Geschlecht.

Globale Prävalenz von Angststörungen nach Alter und Geschlecht. (Bildquelle: WHO, 2017)

Deutschlandweit liegt die Prävalenzrate

  • Im Falle von Depressionen bei schätzungsweise 4,1 Millionen Menschen (5,2% der Bevölkerung) (2).
  • Im Falle von Angststörungen bei schätzungsweise 4,6 Millionen Menschen (5,8% der Bevölkerung) (2).

Die WHO stuft Depressionen derweil als den „single largest contributor to global disability“ ein (2). Die Konsequenzen, die sich hieraus für die Individuen im Speziellen und die Gesellschaft im Allgemeinen ergeben, sind immens:

Einerseits leiden Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität der Betroffenen (und zwar sowohl physisch, wie auch psychisch), andererseits erhöhen sich dadurch die Kosten im Gesundheitssektor. Von Produktivitätseinbußen, aufgrund einer beeinträchtigten Arbeitsleistung, häufiger bzw. dauerhafter Krankschreibung oder einer daraus resultierenden Arbeitslosigkeit, wollen wir erst gar nicht anfangen zu reden.

Und schlussendlich darf man natürlich auch nicht die Beziehung zwischen Depressionen und Suizidrate nicht vergessen (die 2015 bei 788.000 Menschen lag und sich noch einmal um eine erhebliche Anzahl an Suizidversuchen erhöht).

Mit 1,5% aller Todesursachen rangiert Suizid weltweit unter den Top 20 Todesursachen und betrifft vor allem die Altersgruppe zwischen 15 – 29 Jahren (2), wobei die Rate in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen und innerhalb der männlichen Bevölkerung besonders hoch erscheint (siehe untere Grafik).

Globale Prävalenz von Angststörungen nach Alter und Geschlecht. Globale und regionale Suizidrate pro 100.000 Menschen innerhalb der Bevölkerung. LMICS = Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen; HICS = Länder mit hohem Einkommen. (Bildquelle: WHO, 2017)

Die Wahl der Waffen zur Behandlung von Depressionen

Eine gängige Form der Behandlung bei depressiven Erkrankungen ist die Medikation mit Antidepressiva – eine Methode, die jedoch nicht bei jedem erfolgreich anschlägt (4), dafür mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen kann (7) und deren Effizienz – angesichts geringer Effektgrößen im Vergleich zum Placebo - auch nicht überbewertet werden sollte (5). Das grundlegende Problem ist, dass Forschung und Entwicklung zur Implementation effektiverer Methoden und Medikamente oftmals auch sehr teuer ist (6), was natürlich nicht bedeutet, dass nicht rege an neueren und besseren Behandlungsmöglichkeiten geforscht wird (11).

Darüber hinaus gibt es noch den Weg über die Psychotherapie. Diese Effektivität dieser Variante kann jedoch von Person zu Person ebenfalls größeren Schwankungen unterlegen sein (8) und sie ist vor allem sehr zeitintensiv (9).

Als treuer Leser wirst du natürlich wissen, dass unsere Ernährung einen erheblichen Einfluss auf unsere körperliche Gesundheit und Performance haben kann, was durch eine entsprechende Fülle an Untersuchungen untermauert wird. Weitaus weniger klar ist, welche psychischen Auswirkungen unser täglich Brot (oder was auch immer du gerne/häufig isst) hat und wie diese auf unsere Psyche und den Geisteszustand (z.B. durch eine Veränderung der Neurobiologie) wirken.

Das bedeutet freilich nicht, dass wir völlig im Dunkeln tappen. Im Gegenteil: Wir leben in aufregenden Zeiten, so dass der Sinnspruch „Die Forschung steht bekanntlich nicht still“ noch nie mehr Gültigkeit besaß, als heute. So langsam beginnen wir die zu Grunde liegenden Mechanismen zu verstehen und wir wissen inzwischen, dass unsere Ernährung in einer gewissen Beziehung zu unserer Stimmung und depressiven Erkrankungen steht (12)(13).

Oder konkreter formuliert: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Qualität unserer Ernährung und dem Depressionsrisiko (14)(15). Einige Untersuchungen legen nahe, dass eine pro-entzündliche Ernährung (da haben wir sie wieder, die Entzündungen) ein wesentlicher Faktor sein könnte, wenn es um die Beeinflussung der Inzidenzrate von depressiven Erkrankungen geht (19).

Bis zu endgültig gesicherten Erkenntnissen ist es jedoch noch ein langer Weg, da ein Großteil der Daten bisher lediglich auf Observationsstudien beruht, nicht jede Untersuchung zu einem positiven Befund gelangt (16) und weil es bis dato nur wenige hochwertige, systematische Reviews gibt (17). Doch schon jetzt unternimmt die Wissenschaft einen Versuch, in dem konkrete, präventive Empfehlungen zur Ernährungsgestaltung formuliert werden, um das Risiko für Depressionserkrankungen zu begrenzen (18).

Die vorliegende (Meta-)Untersuchung, um die es im nachfolgenden Text gehen wird, ist dementsprechend die erste ihrer Art, bei der Wissenschaftler den Versuch unternommen haben, um den potenziellen Einfluss der Ernährung auf klassische Symptome der Depression und Angststörung zu ergründen, wobei entsprechend hochwertige Studien (RCTs) zur Analyse berücksichtigt wurden.

Lass‘ uns also mal schauen, ob man sich mit der richtigen Ernährung tatsächlich glücklich futtern kann. (...)


Dieser Artikel erschien in der 10/2019 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: depositphotos / AlexKosev


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