Knasttraining: Calisthenics für Bad Boys? Was darf man als Kraftsportler von Körpergewichtstraining erwarten?

Knasttraining: Calisthenics für Bad Boys? Was darf man als Kraftsportler von Körpergewichtstraining erwarten?
 

Benötigte Lesezeit: 15 Minuten |


Es ist ein stereotyper Eindruck, den wir von der amerikanischen Prison Culture, dem Leben hinter Gittern, gewonnen haben. Sehr wahrscheinlich sind es Filme oder reißerische Dokumentationen, die ab 22.00 Uhr im Privatfernsehen ausgestrahlt werden. Aus juristischer Sicht interessieren wir uns weniger für die Taten der Insassen, die Kompetenz der Vollzugsbeamten oder die Resozialisierungsquote von Strafanstalten. Kraftsportler, wie wir es sind, wollen erfahren, wie es sein kann, dass Gefängnisinsassen nach ihrem Besuch hinter schwedischen Gardinen stärker und muskulöser sind, als sie es zuvor waren.

Während ich zwar davon ausgehe, dass die meisten von euch ein gut bürgerliches und halbwegs anständiges Leben führen und nicht Gefahr laufen, einzufahren, so interessieren mich die Storys von diesen im wahrsten Sinne des Wortes »schweren Jungs«.

Dieser Artikel befasst sich jedoch nicht mit soziologischen Analysen im kriminellen Milieu, sondern mit dem Nutzen von Körpergewichtsübungen, die unter dem Sammelbegriff »Calisthenics« geführt werden.

Knasttraining: Calisthenics für Bad Boys? Was darf man als Kraftsportler von Körpergewichtstraining erwarten?

Der Hintergrund zum Knasttraining

Die Aktualität rund um den populären Trend Calisthenics ist vielen bereits bekannt, nicht zuletzt auch durch Videos im Netz, von so genannten Street Workouts, wo auf öffentlichen Parkanlagen an Stangen und Geländern beeindruckende Übungen demonstriert werden. Hier soll es aber weniger um akrobatische Leistungen wie Muscle-Ups oder menschliche Flaggen gehen, sondern um die Möglichkeiten, die man ohne Ausrüstungsgegenstände und auf minimalen Raum, nutzen kann.

Momentmal! Keine Ausrüstung? Keine Geräte oder Gewichte und obendrein noch wenig Platz? Richtig! Genau wie im Knast eben.

Mit dem grundsätzlichen Interesse an alternativen Trainingsmöglichkeiten im Hinterkopf recherchierte ich die aktuelle Literatur zu diesem Thema und wählte die meiner Meinung nach zwei der besten Werke zu diesem Thema aus: »Jailhouse Strong« (2013) von Josh Bryant sowie »Trainieren wie im Knast« (2015) von Paul Wade. Was die Reputation des Autors von Josh Bryant betrifft, so liegt die Messlatte sehr hoch. Bryant arbeitet als Strength & Conditioning Coach, ist zwölffacher Powerlifting-Weltrekordhalter sowie Gewinner des Atlantis Strongest Man in America-Titels und hat bereits mehrere erfolgreiche Bücher im Bereich Krafttraining veröffentlicht. Somit dürfte er formal wie auch praktisch über genügend Autorität und Glaubwürdigkeit verfügen.

Während Jailhouse Strong im deutschsprachigen Raum weniger bekannt ist, wohl nicht zuletzt auch deswegen, da es bis dato nur die englischsprachige Originalversion zu kaufen gibt, schaffte es der ehemalige Häftling Paul Wade, den Fitnessmainstream zu erobern. 2009 erschien bereits sein Erstlingswerk »Convict Conditioning: How to Bust Free of All Weakness – Using the Lost Secrets of Supreme Survival Strength«. Dieser durchaus sehr coole, aber auch etwas sperrige Buchtitel, erschien 2015 bei uns in deutscher 1. Auflage als »Trainieren wie im Knast – Der progressive Ganzkörperplan für Muskeln, Kraft und einen eisernen Willen«.

Im Wesentlichen liegt der Unterschied in der Herangehensweise der Autoren. Paul Wade verweist auf seine eigene Biografie und schildert seine Erlebnisse aus der Ich-Perspektive. Er selbst war Insasse und betreibt kein Namedropping mit bekannten Ex-Häftlingen, um seine Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Wades System stützt sich auf die erfolgreiche Anwendbarkeit bei hunderten seiner Mithäftlinge sowie auf seine Klienten, die er nach seiner Haftstrafe betreute.

Josh Bryant, ziemlich sicher kein Saubermann im klassischen Sinne, aber zumindest verbüßte er nie eine Haftstrafe. Dennoch recherchierte er unter teilweise unsicheren Bedingungen bei aktiven und ehemaligen Streetgang-Chefs wie Angelo »Barefoot-Pookie« White, Gründungsmitglied der Crips, George Christie, ehemals Hells Angels Präsident vom Chapter in Ventura, Gefängniswärtern in Hochsicherheitseinrichtungen, Bodybuildern, die im Gefängnis saßen wie auch Dorian Yates, Türsteherlegenden und weiteren Profisportlern wie Mike Tyson, die irgendwann zu Gast im Knast waren.


Dieser Artikel erschien in der 04/2018 Ausgabe unseres MHRx Magazins

Werde Mitglied, um den vollständigen Artikel zu lesen!

Du bist bereits Mitglied und verfügst über einen Account? Dann logge dich ein


Bildquelle Titelbild: Fotolia / Prostock Studio


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Kontaktdaten durch diese Website gem. DSGVO einverstanden.