Ein kohlenhydratarmes Frühstück verbessert die Blutzuckerkontrolle im gesamten Tagesverlauf bei Diabetikern

Ein kohlenhydratarmes Frühstück verbessert die Blutzuckerkontrolle im gesamten Tagesverlauf bei Diabetikern

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Während gesunde Personen und aktive Individuen, die z.B. morgens trainieren, durchaus von einem kohlenhydratbetonten Frühstück profitieren können, sollten all jene, die mit der Diagnose Diabetes (Typ 2) leben, womöglich besser zu einer kohlenhydratarmen Alternative für einen Start in den Tag optieren.

Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung, die unter der Leitung von Jonathan Little, einem außerordentlichen Professor, der an der UBC Okanagan School of Health and Exercise Sciences unterrichtet, im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde (1).

Ein kohlenhydratarmes Frühstück verbessert die Blutzuckerkontrolle im gesamten Tagesverlauf bei Diabetikern

Little et al. (2019) rekrutierten für ihre Untersuchung 23 übergewichtige Personen mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren (und einem Hb1Ac-Wert von 6.7% ± 0.6%), die ihren Diabetes gut um Griff hatten.

Die Probanden durchliefen zwei Versuchstage, wobei sie an einem Tag ein sehr kohlenhydratarmes, dafür fettreiches Frühstück (ein Omelette, welches zu <10% Kohlenhydrate, 85% Fett und 15% Protein bestand, LCBF) erhielten und an einem anderen Tag eine morgendliche Mahlzeit einnahmen, die so zusammengestellt war, dass sie gängigen Ernährungsrichtlinien entsprach (Hafermehl und Obst, bestehend aus 55% Kohlenhydrate, 30% Fett und 15% Protein, GLBF).

An beiden Versuchstagen erhielten die Teilnehmer zudem ein identisches (standardisiertes) Mittagessen und Dinner, während der Blutzuckerspiegel mittels eines Messgeräts über einen Zeitraum von 24 Stunden erfasst wurde und die Probanden Hunger und Sättigung mittels VA-Skala bewerteten.

Ergebnisse der kontinuierlichen Glukose-Überwachung. (A) Kontinuierliche Blutzuckermesswerte (mittlere ± SD-Werte für n=23) für den 24-Stunden-Intervallzeitraum mit einer kohlenhydratarmen, fettfreichem Frühstück (LCBF,gestrichelte Linie) im Vergleich zu einer kohlenhydratreichen Frühstück (GLBF,schwarze Linie); (B) Summe der postprandialen iAUC (Gesamtblutzucker) für den Zeitraum 3 Stunden nach dem Frühstück, Mittagessen und Abendessen, wenn die Teilnehmer (n=23) ein Low Carb Frühstück (GLBF) oder eine kohlenhydratreiches Frühstück (GLBF) konsumierten. Mittag- und Abendessen waren an beiden Tagen identisch und bestanden aus einer fettarmen Ernährungsvorschrift macronutrientcomposition.#P-Interaktion<0.05 (ANOVA); ∗P<0.05 (Pairredttest zwischen den Bedingungen). GLBF, Frühstück gem. Ernährungsrichtlinien; iAUC, inkrementell AUC; LCBF, sehr kohlenhydratarmes Frühstück.

Ergebnisse der kontinuierlichen Glukose-Überwachung. (A) Kontinuierliche Blutzuckermesswerte (mittlere ± SD-Werte für n=23) für den 24-Stunden-Intervallzeitraum mit einer kohlenhydratarmen, fettfreichem Frühstück (LCBF,gestrichelte Linie) im Vergleich zu einer kohlenhydratreichen Frühstück (GLBF,schwarze Linie); (B) Summe der postprandialen iAUC (Gesamtblutzucker) für den Zeitraum 3 Stunden nach dem Frühstück, Mittagessen und Abendessen, wenn die Teilnehmer (n=23) ein Low Carb Frühstück (GLBF) oder eine kohlenhydratreiches Frühstück (GLBF) konsumierten. Mittag- und Abendessen waren an beiden Tagen identisch und bestanden aus einer fettarmen Ernährungsvorschrift macronutrientcomposition.#P-Interaktion<0.05 (ANOVA); ∗P<0.05 (Pairredttest zwischen den Bedingungen). GLBF, Frühstück gem. Ernährungsrichtlinien; iAUC, inkrementell AUC; LCBF, sehr kohlenhydratarmes Frühstück. (Bildquelle: Little et al., 2019)

Hierbei stellten die beteiligten Forscher fest, dass der Verzehr des Omelettes den Blutzuckerspiegel – im Gegensatz zum kohlenhydratreichen Frühstück – nicht beeinflusste (was natürlich nicht die Sensation ist, um die es hier geht). Der Effekt war jedoch so groß, dass die allgemeine Glukosebelastung im restlichen Tagesverlauf reduziert werden konnte und der Blutzucker über den gemessenen Zeitraum stabil blieb.

“Wir haben erwartet, dass die Begrenzung der Kohlenhydrate auf weniger als 10 Prozent beim Frühstück dazu beitragen würde, den Anstieg nach dieser Mahlzeit zu verhindern“, sagt Little. “Aber wir waren etwas überrascht, dass dies genug Wirkung hatte und dass die allgemeine Glukosekontrolle und -stabilität verbessert wurde. Wir wissen, dass große Schwankungen im Blutzuckerspiegel unsere Blutgefäße, Augen und Nieren schädigen. Die Aufnahme einer sehr kohlenhydratarmen, fettreichen Frühstücksmahlzeit bei T2D-Patienten kann ein praktischer und einfacher Weg sein, um den großen Glukosespieß am Morgen zu bekämpfen und die damit verbundenen Komplikationen zu reduzieren”.

Kontinuierliche, aus der Glukose abgeleitete Messungen der postprandialen Hyperglykämie und glykämischen Variabilität für die GLBF- und LCBF-Bedingungen. (Bildquelle: Little et al., 2019)

Im restlichen Tagesverlauf zeigten die Probanden an beiden Versuchstagen keinen Unterschied bei der Höhe des Blutzuckers, was darauf hindeutet, dass der Effekt zur Verringerung der gesamten Glukosespitzen nach der Mahlzeit auf die Frühstücksreaktionen zurückgeführt werden kann, ohne dass es Beweise dafür gibt, dass ein kohlenhydratarmes Frühstück die Glukosereaktionen beim Mittag- oder Abendessen verschlechtert hat.

“Der große Blutzuckeranstieg, der auf das Frühstück folgt, ist auf die Kombination von ausgeprägter Insulinresistenz am Morgen bei Menschen mit Typ 2 Diabetes zurückzuführen, und weil typische westliche Frühstücksnahrung – etwa Getreideprodukte wie Hafermehl, Toast aber auch Obst – reich an Kohlenhydraten ist,“ so Little.

Das Frühstück, so führt der Forscher weiter aus, sei bei Menschen mit Typ 2 Diabetes häufig die „Problem“-Mahlzeit, die zu den größten Blutzuckerspitzen führt. Seine Forschung zeigt jedoch, dass der Verzehr einer kohlenhydratarmen und fettreichen Mahlzeit am Morgen eine einfache Möglichkeit ist, um diesen großen Anstieg zu verhindern, die glykämische Kontrolle über den Tag zu verbessern und vielleicht auch andere Diabetes-Komplikationen zu reduzieren.

“Die Ergebnisse unserer Studie deuten auf mögliche Vorteile einer Veränderung der Makronährstoffverteilung über den Tag hin, so dass Kohlenhydrate beim Frühstück mit einem ausgewogenen Mittag- und Abendessen eingeschränkt werden, anstatt eine gleichmäßige Verteilung und eine moderate Menge an Kohlenhydraten über den Tag zu konsumieren.”

Als weiteren interessanten Aspekt der Forschung stellten die Teilnehmer fest, dass der Hunger vor der Mahlzeit und ihr Verlangen nach süßen Lebensmitteln im späteren Tagesverlauf tendenziell geringer ausfiel, wenn sie vorher das Low-Carb-Frühstück gegessen hatten. Wenig deutet darauf hin, dass diese Ernährungsumstellung vielleicht ein gesunder Schritt für jeden ist – auch für diejenigen, die nicht mit Diabetes leben.

Quellen, Referenzen & Weiterführende Literatur

(1) Courtney, R., et al. (2019): Restricting carbohydrates at breakfast is sufficient to reduce 24-hour exposure to postprandial hyperglycemia and improve glycemic variability. In: Am J Clin Nutr. URL: https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/109/5/1302/5435774?redirectedFrom=fulltext.

(2) ScienceDaily (2018): Eggs for breakfast benefits those with diabetes. URL: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/04/190411101835.htm.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / Yulia Furman


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