Krank durch Einbildungskraft? Nocebo-Effekte verstehen & vermeiden

Krank durch Einbildungskraft? Nocebo-Effekte verstehen & vermeiden
 

Von David Wolf | Benötigte Lesezeit: 12 Minuten |


Kannst Du Dir vorstellen, dass Du Schmerzen hast, weil Du glaubst sie haben zu müssen?

Das mag jetzt wie eine Kuriosität klingen, die nur gutgläubige Menschen betrifft und vor der vman als rationaler Mensch gefeit ist, aber weit gefehlt. Nocebo-Effekte sind sehr verbreitet, werden oftmals von Reizen ausgelöst, die wir nicht bewusst wahrnehmen, sind tief verwurzelt in unserer Kultur und weit mächtiger als wir erwarten würden.

Dieser Artikel wird Dir einen Überblick über das Phänomen des Nocebo-Effekts geben. Du erfährst zunächst worum es sich handelt, wo und wie dieser Effekt auftritt und wie er entsteht. Darüber hinaus zeige ich Dir wie Du als Patient und Sportler vermeiden kannst von Nocebo-Effekten betroffen zu sein.

Krank durch Einbildungskraft? Nocebo-Effekte verstehen & vermeiden

Was ist der Nocebo-Effekt?

Das Wort Nocebo stammt aus dem Lateinischen und heißt „Ich werde schaden“.

Als Nocebo wird eine Behandlung bezeichnet, die keine direkte medizinische Wirkung hat, jedoch die Gesundheit eines Menschen verschlechtert, indem sie Befürchtungen und negative Vorstellungen vermittelt (6).

Für die Zwecke dieses Artikels können wir dabei das Wort Be-handlung von seiner ersten Silbe befreien und durch den Begriff der Handlung ersetzen. Wie Du im weiteren Verlauf des Artikels sehen wirst, treten Nocebo-Effekte nämlich nicht nur im Kontext einer medizinischen Therapie auf, sondern können schon im Vorgespräch entstehen und sogar im Training, in der Trainingsberatung und im Alltag eine Rolle spielen.

 Krank durch Einbildungskraft? Nocebo-Effekte verstehen & vermeiden 

Das Phänomen des Placebos (olivgrüne Balken) wird in der wissenschaftlichen Welt reger erforscht, als das des Nocebos (blaue Diameanten) - dies wird durch den Chart, der sämtliche Studien von 1950 bis 2010 abbildet, mehr als deutlich. (Bildquelle: Häuser et al, 2012)

Der Nocebo-Effekt stellt das genaue Gegenstück zum Placebo-Effekt dar, den Fabian Hellbach in der Juni Ausgabe (06/2018) bereits thematisiert hat. Ohne die andere Seite der Medaille zu sehr zu beleuchten, will ich kurz beide Effekte einander gegenüberstellen:

Der Placebo-Effekt entsteht aus positiven Erwartungen an eine Handlung, welche aber diese erwarteten Wirkungen nicht haben kann. Trotzdem zeigt sich während und nach der Handlung ein Effekt auf klinische Marker und Symptome. Wenn beispielsweise in der Akupunktur Nadeln in den Körper gestochen werden und nach der Behandlung eine Reduzierung der Schmerzen eintritt, war das nicht die Folge der Behandlung, sondern der positiven Erwartung an diese (2).

Der Nocebo-Effekt wirkt als Folge der Bewertung einer Handlung, die in pessimistischen Erwartungen und negativen Vorstellungen mündet. Beispiel gefällig?

In der pharmazeutischen Forschung wird die Wirkung von Medikamenten erprobt, indem die eine Hälfte der Probanden das echte Medikament erhält und die andere Hälfte nur eine Tablette ohne Wirkstoff bekommt (Kontrollgruppe mit Placebo). Dieses Vorgehen ist notwendig, um die direkte Wirkung von Medikamenten bewerten zu können, ohne dass Placebo-Effekte das Bild verzerren. Im Zuge solcher Studien ist es notwendig die Teilnehmer auch über die möglichen Nebenwirkungen des getesteten Medikaments aufzuklären. Danach  kommt es im Laufe der Studie vor, dass Teilnehmer über starke Nebenwirkungen des Medikaments klagen, obwohl sie Teil der Kontrollgruppe sind und nur glauben das Medikament tatsächlich erhalten zu haben (7). Es war also nicht das Medikament selbst, welches die Beschwerden ausgelöst hat, sondern die Erwartung der Teilnehmer, von Nebenwirkungen des Medikaments betroffen zu sein, die einen Nocebo-Effekt generiert hat.

Nocebo-Effekte & Erwartungshaltung

Die Wirkung von Placebo- und Nocebo-Effekten entsteht aus (...)


Dieser Artikel erschien in der 08/2018 Ausgabe unseres MHRx Magazins

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Antonioguillem


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