Der Placebo-Effekt in Wissenschaft, Medizin & Alltag: Was steckt dahinter?

Der Placebo-Effekt in Sport, Alltag & Medizin: Was steckt dahinter?
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Sicherlich kennst die diese Zuckerkügelchen, welche dir mehr Gesundheit, Gelassenheit, Seelenfrieden, verschwindende Kopfschmerzen und den Weltfrieden versprechen, oder? Diese enthalten entweder gar keinen Wirkstoff oder sie enthalten ihn in verschwindend geringer Konzentration, also ultra-verdünnt (das nennt man dann „Homöopathie“).

Unter normalen Umständen kannst du eine ganze Dose davon schlucken und es wird nicht besonders viel passieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn du ohnehin nichts von Homöopathie hältst und es als Mumpitz abtust. Doch was passiert, wenn man dir so eine Zuckerkugel gibt und glaubhaft versichert, dass es deine Probleme/Gebrechen/Krankheit lindern oder gar kurieren kann, wenn du sie einnimmst?

Es gibt kaum etwas Faszinierenderes in Forschung und Wissenschaft, als wenn man eine Wirkung beobachtet, obwohl kein Wirkstoff verabreicht wurde. Der Glaube an die Wirkung, so scheint es, sorgt dafür, dass ein Placebo tatsächlich unsere Physiologie und Psychologie beeinflusst. Dieses Phänomen bezeichnen wir als Placebo-Effekt.

Aber was genau ist ein Placebo eigentlich?

Im Roche Lexikon Medizin wird ein Placebo (lat. „Ich werde gefallen“) als inaktiver Dummy oder als vorgetäuschtes medizinisches Präparat beschrieben, welches in seiner Erscheinung identisch ist mit einem aktiven Präparat und welches dazu dienen soll, das Verlangen eines Patienten nach einer Behandlung zu befriedigen (10).

Henry Knowles Becher war eine der ersten Placebo-Forscher. Er beobachtete, dass schwer verwundete Soldaten wesentlich weniger Schmerzmittel verlangten, als Personen in Zivilkrankenhäusern mit ähnlich schweren Verletzungen (25 vs. 80%).

Dieses Phänomen erklärte Becher dadurch, dass die Soldaten erwarteten, dass sie anschließend nicht mehr zur Kampfzone müssen, wohingegen sich Personen im Zivilkrankenhaus mit so einer Verletzung zusätzlich um ihre soziale und finanzielle Situation sorgten (7). Die Erwartungshaltung wurde also als Erklärung herangezogen – mit dieser Beobachtung wurde quasi der Beginn der Placebo-Forschung eingeläutet (und es wurden weitere Forscher auf den Placebo-Effekt aufmerksam).

"Evolution" der Anzahl der PubMed Referenzen, welche den Begriff "Placebo-Effekt" oder "Placebo" nutzen. Berücksichtigt sind Veröffentlichungen bis zum 31. Dezember 2002.  

"Evolution" der Anzahl der PubMed Referenzen, welche den Begriff "Placebo-Effekt" oder "Placebo" nutzen. Berücksichtigt sind Veröffentlichungen bis zum 31. Dezember 2002. (Bildquelle: Macedo et al, 2003)

Bevor die Medizin, wie sie heute ist, groß wurde, war es völlig normal Patienten inaktive Substanzen oder Zuckerpillen zu verabreichen, um sie zu beschwichtigen oder gar zu testen, ob es sich um eine echte Krankheit handelt. Placebos werden auch heute noch aktiv eingesetzt. Nein, es geht gerade mal nicht um die Homöopathie. Adam Meakins, selbst Physiotherapeut, schreibt auf seinem Blog, dass mehr Physiotherapeuten akzeptieren sollten, dass viele Interventionen, die sie vornehmen (etwa Massagen, Manipulationen, Elektrotherapie, Tape, Nadeln) häufig nicht mehr als Placebos sind (1).

Allerdings sollte erwähnt werden, dass der Placebo-Effekt nicht nur positive Auswirkungen auf Schmerz haben kann. Negative Erwartungen können die Wirkung von Analgetika verringern und die Schmerzsensitivität erhöhen. Dieses Phänomen wird Nocebo bezeichnet.

Der Nutzen von Placebos in Krankenhäusern könnte die zukünftige Erwartungshaltung und das Vertrauen in Ärzte beschädigen, sofern herauskommen sollte, dass Placebos eingesetzt werden. Im folgenden Beitrag möchte ich dich mitnehmen, in die Welt des Placebo-Effekts. Wir klären nicht nur, was sich dahinter verbirgt, sondern auch, wie stark die Wirkung zu Tage tritt und welche Rolle Placebos in Medizin, Sport und Alltag haben.


Dieser Artikel erschien in der 06/2018 Ausgabe unseres MHRx Magazins

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / pictoores


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