Studie: Übergewicht halbiert Testosteron-Wert in Jugendlichen

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Studie: Übergewicht halbiert Testosteron-Wert in Jugendlichen

 

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Ein paar Kilogramm zu viel auf der Hüfte machen nicht nur einen optischen Unterschied, der die Stimmung trüben kann, sondern sie wirken auch auf die Gesundheit und das körpereigene Hormonprofil – kein Wunder, schließlich ist Körperfett alles andere als „totes Gewebe“ und – im Gegensatz zur früheren Meinung – überaus bioaktiv und sogar endokrin.

In einer Untersuchung von 2013 haben Forscher die Auswirkungen von zu viel Schwungmasse in Jugendlichen auf Testosteronspiegel und Insulinsensitivität hin untersucht. Und es sieht so aus, als ob zu viel Körperfett ein ebenso guter Weg ist, um den Testosteron-Wert massiv zu reduzieren (1).

Studie: Übergewicht halbiert Testosteron-Wert in Jugendlichen

Das Studien Setup

Morgri und Kollegen (2013) rekrutierten für ihr Experiment insgesamt 50 Teilnehmer, von denen 25 schlank und 25 übergewichtig gewesen sind. Das Durchschnittsalter lag bei 16 Jahren.

Um zu eruieren in welche Kategorie die betreffenden Personen fallen, behalf man sich des sogenannten Body Mass Index (BMI), der – wie wir ja wissen – dadurch gebildet wird, dass man das Körpergewicht durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat berechnet. (Ein BMI von 18,5-25 gilt als normalgewichtig. Ab 25 beginnt definitorisch das Übergewicht, wobei man ab 30 von adipös spricht).

Nun gilt der BMI gerade unter Menschen, die (Kraft-)Sport treiben als nicht besonders zuverlässig, da dieser Indikator den Muskelmassegehalt nicht mit einbezieht. Insofern kann ein durchtrainierter Mann mit hohem Muskelmasseanteil, aber wenig Fett, auch als übergewichtig klassifiziert werden, obwohl es sich um funktionale Masse handelt.

Wie dem auch sei: Bei dieser Studie scheint der BMI eine angemessene Variable zu sein, da sich unter den 50 Teilnehmern sicherlich keine ehrgeizigen Bodybuilder befinden haben, welche die Daten verfälschen würden.

Es wurden zahlreiche weiteren Variablen für die Studie erhoben, wobei der Testosteronwert (TT), der freie Testosteronwert (cFT; aktives Testosteron), der Östrogenwert sowie der HOMAR-IR Wert (ein Indikator für den Grad an Insulinsensitivität) zu den Relevantesten in diesem Zusammenhang gehörten.

Das Studien Ergebnis

Den beteiligten Forschern gelang es mit Hilfe der vorhandenen Werte einen Trend abzubilden, der aufzeigt, dass jugendliche Individuen mit einem hohen BMI (= hoher KFA) auch tendenziell einen niedrigeren Testosteronspiegel (freies Testosteron) aufweisen.

Die untere Grafik bildet den Zusammenhang ab und man sieht hier die Cluster, die sich bei einem BMI von 15-25 sowie +25-40 bilden:

Korrelation zwischen freiem Testosteronwert und BMI der untersuchten Probanden. (Bildquelle: Mogri et al. (2013)

 

Korrelation zwischen freiem Testosteronwert und BMI der untersuchten Probanden. (Bildquelle: Mogri et al. (2013)

Die Forscher waren an einem weiteren Zusammenhang interessiert, nämlich der Korrelation zwischen freiem Testosteron und HOMAR IR. Hierzu sollte man wissen, dass ein hoher HOMAR IR Wert eine stärkere Resistenz gegenüber dem Speicherhormon Insulin bedeutet. Ein niedriger Wert zeugt also von einer hohen Insulinsensitivität des betreffenden Individuums (und ist daher erstrebenswert).

Der HOMAR IR Wert betrug im Schnitt

  • 1,1 ± 0,5 bei schlanken Individuen
  • 3,8 ± 4,1 bei übergewichtigen Individuen

Die nachfolgende Grafik zeigt auf, in welcher Beziehung beide Werte zueinander stehen:

Korrelation zwischen freiem Testosteronwert und HOMAR IR Wert der untersuchten Probanden (Bildquelle: Mogri et al. (2013)

 

Korrelation zwischen freiem Testosteronwert und HOMAR IR Wert der untersuchten Probanden (Bildquelle: Mogri et al. (2013)

Auch hier zeigt sich, dass Probanden mit einer schlechten Insulinsensitivität (hoher HOMAR IR Wert) tendenziell mit einem niedrigen Testosteronspiegel konfrontiert sind. Dies stützt die Theorie der beteiligten Forscher, welche postulieren, dass eine schlechte Insulinsensitivität (=Insulinresistenz) dafür Sorge trägt, dass die Ausschüttung an Wachstumshormon verringert wird (durch ein geringeres GnRH-Aufkommen). Dies wiederum wirkt sich negativ auf die Testosteronproduktion aus.

Fazit der Forscher

“Die Testosteronkonzentration in jungen adipösen und post-pubertären Männern ist um 40-50% niedriger, als bei jenen mit normalem BMI. Übergewichtig in jungen Männern wird mit niedrigen Testosteronkonzentrationen in Verbindung gebracht, die nicht auf eine Erhöhung der Östrogenkonzentration zurückzuführen ist. Unsere Ergebnisse müssen in einer größeren Zahl an Individuen bestätigt werden.” – Mogri et al, 2013

Abschließende Worte

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich die Testosteronkonzentration in übergewichtigen bis stark übergewichtigen jungen Männern teilweise halbiert (in Relation zur Testosteronkonzentration bei normalgewichtigen Jugendlichen).

Übergewichtige Jugendliche wiesen in diesem Experiment allerdings auch eine erhöhte Konzentration an Östrogen auf (1,35 [normaler BMI] Vs. 1,95 [erhöhter BMI]). Es ist bekannt, dass sich mit steigenden Körperfettspiegeln die Aktivität des Aromatase-Enzyms erhöht. Aromatase ist für die Umwandlung von Testosteron in Östrogen zuständig. Man kann davon ausgehen, dass Übergewicht (durch Körperfett) die Situation noch weiter verschärft, indem die Transformation des männlichen Sexualhormons begünstigt wird.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2010 bereits eine andere – groß angelegte – Studie, bei der es allerdings nicht um Jugendliche, sondern um Männer ging, die 45 oder älter waren (n=1849) (2). Hier stellte man fest, dass 40% von allen übergewichtigen, nicht-diabetischen Individuen eine erniedrigte Testosteronkonzentration aufwiesen. Mit Diabetes verschlechterte sich das Szenario noch weiter – hier waren es bereits 50% der Männer, die betroffen waren.

Neben der verstärkten Konversion von Testosteron zu Östrogen (Aromatase), scheint eine schlechte Insulinsensitivität (hoher HOMAR IR Wert) indirekt einen Abfall des Testosterons zu begünstigen, indem die der Hahn zur Ausschüttung von Wachstumshormon (via GnRH im Hypothalamus) abgedreht wird.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Fotolia / kwanchaichaiudom

Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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