Verlängert eine Supplementation mit Antioxidantien das Leben?

Verlängert eine Supplementation mit Antioxidantien das Leben?
 

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Antioxidantien waren in den letzten Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Viele Menschen nutzen sie in der einen oder anderen Supplement-Form in der Hoffnung, dass sie dadurch den Alterungsprozess hinauszögern, Krebs verhüten und das Immunsystem stärken können.

Exkurs: Free-Radical Theory of Aging (FRTA)

Die Theorie der freien Radikale nach Denham Harman liefert uns ein nachvollziehbares Modell der Alterung von Organismen (6)(7)(8)(9)(12) und der Entstehung von altersbedingten Erkrankungen, etwa Krebs, Arthritis, Arteriosklerose, Alzheimer und Diabetes (10)(11). Doch was genau sind eigentlich freie Radikale?

Freie Radikale (ROS) sind Atome und Moleküle, die infolge diverser Stoffwechselprozesse im Körper aus molekularem Sauerstoff entstehen (z.B. Energieproduktion in den Mitochondrien) und denen ein Elektron in der äußeren Hülle fehlt (z.B. Superoxid (O2) oder Peroxynitrit (OONO). Diese Elektronenmangel führt zu einer hohen unspezifischen Reaktivität des betroffenen Moleküls.

Wenn freie Radikale nun im Körper zirkulieren, versuchen sie anderen Verbindungen und Zellkomponenten das fehlende Elektron zu stehlen. Hierbei kann es zu Schäden (oxidativer Stress) an Zellen, Proteinen, Lipiden sowie DNA und RNA kommen.

Gemeinhin wird nun angenommen, dass es mit der Zeit zu einer verstärkten Ansammlung von beschädigten Zellkomponenten kommt, weil der Körper nicht mehr in der Lage ist die entsprechenden Schäden zu reparieren. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der Funktion und folgenschweren Erkrankungen, welche die Lebenserwartung verkürzen.

Hier kommen Antioxidantien ins Spiel, die als „Elektronenspender“ auftreten und so freie Radikale neutralisieren, indem sie ihre eigenen Elektronen abgeben. Diese Antioxidantien werden z.T. im Körper selbst gebildet (z.B. Glutathion, Melatonin, Co-Enzym Q10 – um nur einige zu nennen), können jedoch auch über die Ernährung und gezielte Supplementation (Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Astaxanthin, Curcumin) aufgenommen werden.

Freie Radikale enstehen im Stoffwechsel und greifen aufgrund ihrer Instabilität andere Moleküle an, um ein fehlendes Elektron einzufangen. Nimmt der oxidative Stress überhand, sammeln sich im Verlauf der Zeit immer mehr beschädigte Zellkomponenten an, so dass die Regenerationsfähigkeit des Körpers nicht mehr ausreicht. Wir altern und unser Körper funktioniert weniger gut.

Freie Radikale enstehen im Stoffwechsel und greifen aufgrund ihrer Instabilität andere Moleküle an, um ein fehlendes Elektron einzufangen. Nimmt der oxidative Stress überhand, sammeln sich im Verlauf der Zeit immer mehr beschädigte Zellkomponenten an, so dass die Regenerationsfähigkeit des Körpers nicht mehr ausreicht. Wir altern und unser Körper funktioniert weniger gut. (Bildquelle: Fotolia / clusterx)

Antioxidantien: Wenn es zu viel des Guten wird

Wir wissen also, dass Oxidationsvorgänge im Körper mit altersbedingten Erkrankungen, wie z.B. Krebs und Herz-Kreislauf-Problemen in Verbindung stehen. Die Theorie der freien Radikale zur Erklärung des Alterungsprozesses impliziert nun, dass man durch eine vermehrte Einnahme von Antioxidantien das Aufkommen freier Radikale limitieren, damit potenzielle Schäden verhindern und so das Altern selbst verlangsamen kann („Antioxidantien-Therapie“).

Leider erweist sich diese Annahme in der Praxis als problematisch.

  • Zum einen konnte herausgefunden werden, dass die Zufuhr von zu vielen Antioxidantien in das Gegenteil umschlägt (13) – das heißt, dass diese vermeintlichen „Radikalfänger“ ab einer bestimmten Menge pro-oxidativ wirken. Indem du also auf eine großzügige Einnahme von Vitamin E & Co. setzt, werden oxidative Schäden nicht gestoppt, sondern gefördert.
  • Zum anderen besteht die Gefahr, dass man durch die reichhaltige Einnahme von Antioxidantien die natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers beeinträchtigt. So fand beispielsweise eine Untersuchung der Alpha-Tocopherol, Beta Carotene Cancer Prevention Study Group heraus, dass Raucher, die Beta-Karotin in hohen Dosen ergänzten, ein weitaus höheres Lungenkrebsrisiko besitzen, als Raucher, die kein zusätzliches Beta-Karotin supplementieren (5). Ein derartiges Ergebnis konnte wenig später von Omen et al. (1996) (3) und Tanvetyanon/Bepler (2008) (4) repliziert und bestätigt werden.

Verlängert eine Supplementation mit Antioxidantien das Leben?

Antioxidantien neutralisieren freie Radikale, indem sie als Elektronenspender auftreten. (Bildquelle: Fotolia / Oleksandr)

Wie so oft gibt es (auch) im Bereich der Supplementation mit Antioxidantien teils widersprüchliche Ergebnisse. Aus diesem Grund kann es manchmal sehr nützlich sein, wenn man sich mit Meta-Analysen („Studien über Studien“) auseinandersetzt, bei denen die Ergebnisse vieler Studien zusammenzutragen und ausgewertet wurden, woraus sich wiederum ein Trend in die eine oder andere Richtung abzeichnet.

Die Cochrane Database of Systemic Reviews ist ein solches Projekt, bei der man es sich zur Aufgabe gemacht hat hochwertige Meta-Studien durchzuführen, die mit Gesundheit und Wohlbefinden in Verbindung stehen. Die Organisation beschreibt ihre Praktik wie folgt:

Ein Cochrane Review ist eine in sich eine wissenschaftliche Untersuchung, mit einem einer vorausgeplanten Sektion zu den Methoden und einer Zusammenstellung von originären Studien (vornehmlich randomisierte kontrollierte Experimente, klinisch kontrollierte Experimente und manchmal auch nicht-randomisierte Beobachtungsstudien) als „Gegenstand“. Die Ergebnisse dieser multiplen Primärforschungen werden durch Strategien synthetisiert, die Verzerrungen und Fehlerquoten begrenzen. Diese Strategien beinhalten eine umfassende Suche potenziell relevanter Studien und die Verwendung von expliziten, reproduzierbaren Kriterien zur Auswahl von Studien, die für das Review infrage kommen. Primäre Forschungsdesigns und Studien-Charakteristika werden evaluiert, Daten werden synthetisiert und Ergebnisse interpretiert.“ – The Cochrane Collaboration

Die Cochrane-Datenbank wird fortwährend aktualisiert, um auf dem aktuellen Stand der Forschung zu bleiben. Glücklicherweise gibt es auch eine entsprechende Meta-Untersuchung bezüglich der Fragestellung, inwiefern die Supplementation mit Antioxidantien bei gesunden und erkrankten Individuen in der Lage ist, dass Leben zu verlängern.

Nach dieser ellenlangen Einleitung wird es dann schließlich auch Zeit, dass wir uns mit den Ergebnissen dieser Analyse auseinandersetzen, um die Kernfrage dieses Artikels zu beantworten: Verlängert eine Supplementation mit Antioxidantien das Leben?


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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Halfpoint

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