Cannabidiol: Wundermittel oder Placebo? Eine nüchterne Analyse zum aktuellen CBD Hype

Cannabidiol: Wundermittel oder Placebo - Wie viel ist dran am CBD Hype?

Von Thomas Koch | Benötigte Lesezeit: 9 Minuten |


Cannabidiol (kurz CBD) ist derzeit in aller Munde. Zeitweise sogar in den ansonsten doch eher als konservativ verschrienen Drogeriemärkten erhältlich, scheint es kaum ein gesundheitliches Problem zu geben, gegen das CBD nicht hilft … zumindest dann, wenn man den vollmundigen Versprechungen der Hersteller und Verfechter alternativer Medizin glaubt.

Die Frage aller Fragen lautet also: Wird das neue Trendprodukt diesen Vorschusslorbeeren gerecht?

Bevor wir einen Versuch unternehmen, um eine Antwort für diese Frage zu liefern, sollen wir zunächst einmal klären, worum es sich hierbei überhaupt handelt und wieso es aktuell einen solchen Hype gibt.

Was ist Cannabidiol (CBD)?

Cannabidiol ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid, welches aus weiblichen Hanfpflanzen (Cannabis sativa, bzw. Cannabis indica) gewonnen wird. Das fehlende psychoaktive Potenzial unterscheidet CBD nicht nur grundlegend vom deutlich bekannteren Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), sondern reduziert sogar dessen (negative) Effekte (5).

Struktur-Formeln von vier Bestandteilen des Cannabis: 9-THC, 8-THC, Cannabinol und Cannabidiol. (Bildquelle: Howlett et al., 2002)

Neben CBD und THC enthält Cannabis noch rund 80 weitere Cannabinoide, beispielsweise Tetrahydrocannabivarin (THCV), das appetithemmend wirkt und dessen Einsatz in der Diabetestherapie derzeit erforscht wird (6), Cannabinol (CBN), das eine stark entspannende Wirkung aufweist (7), Cannabichromene (CBC), welches potenziell sedierend wirkt (8) und Cannabicyclol (CBL), zudem es zwar nur sehr wenig bisherige Forschung gibt, das aber keine psychotomimetischen Effekte aufzuweisen scheint.

Allen Cannabinoiden gemein ist, dass sie an die Rezeptoren CB1 und CB2 andocken und überwiegend als Säure vorliegen, die in der Regel zunächst durch Erhitzen decarboxyliert* werden muss, um wirksam zu sein.

* Die Decarboxylierung bezeichnet eine chemische Reaktion, bei der ein Kohlenstoffdioxid-Molekül abgespalten wird.

  Haupt-Lokalisierungsorte (und damit verbundene Funktionen) des CB1-Rezeptors im menschlichen Körper. Die Mehrheit der CB1-Rezeptoren, die im menschlichen Körper exprimiert werden, findet sich im Gehirn, wo sie an verschiedenen neurologischen Aktivitäten beteiligt sind. CB1-Rezeptoren an den peripheren Stellen sind, wenn auch in geringerem Maße, an der Regulation lokaler Gewebefunktionen beteiligt.

Haupt-Lokalisierungsorte (und damit verbundene Funktionen) des CB1-Rezeptors im menschlichen Körper. Die Mehrheit der CB1-Rezeptoren, die im menschlichen Körper exprimiert werden, findet sich im Gehirn, wo sie an verschiedenen neurologischen Aktivitäten beteiligt sind. CB1-Rezeptoren an den peripheren Stellen sind, wenn auch in geringerem Maße, an der Regulation lokaler Gewebefunktionen beteiligt. (Bildquelle: Zour & Kumar, 2018)

Woher kommt der Cannabidiol (CBD) Boom?

Im Zuge der weltweiten Lockerung der (...)


Dieser Artikel erschien in der 02/2020 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: depositphotos / VadimVasenin


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