Das eMagazin für (Kraft-)Sportler & Coaches. Evidenzbasiert & Praxisnah. Jeden Monat neu!
Follow

Monatlicher MHRx Newsletter

Die Abnehmpille: Wie effektiv (& sicher) sind Fat-Burner und thermogene Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion?

Die Abnehmpille: Wie effektiv (& sicher) sind Fat-Burner und thermogene Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion?

Es gibt vermutlich nicht besonders viele Menschen, die auf Diäten stehen – nichtsdestotrotz erfreut sich die Themen „Abnehmen“ und „Gewichtsreduktion“ sehr großer Beliebtheit im World Wide Web, weil ein Großteil von uns einem schlanken und athletischen Ideal hinterherrennt, welches – je nach Startbedingung und Ziel - mal realistisch, mal weniger realistisch ist.

Eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung bzw. Sport / Training gehört in der Regel zu einer nachhaltigen Verbesserung der Körperkomposition (und Gesundheit) dazu, was nicht jedem „schmeckt“, weil es zusätzliche Arbeit und Disziplin erfordert und nicht jeder seinen Lebensstil verändern möchte, um definierter, muskulöser und leistungsfähiger zu werden.

Dies ist vermutlich einer der Gründe, wieso in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten das Interesse an einer sogenannten „Sportpille“ bzw. „Abnehmpille“ massiv gestiegen ist. Solche Medikamente würden die Effekte des Sports bzw. eines Kaloriendefizits imitieren und dadurch für Gewichts- und Fettverlust, Muskelaufbau und eine gesteigerte Gesundheit sorgen, ohne dass man dafür seinen derzeitigen Lebensstil allzu stark umkrempeln müsste.

Klingt nach einem Träumchen, oder?

Fat Burner: Wie sie wirken (sollen)

In der Vergangenheit gab es bereits viele Arzneimittel und frei verkäufliche Supplemente, die den Thron der „Wunderpille“ für sich zu beanspruchen versuchten, wobei sie häufig eines gemeinsam hatten: Es handelte sich in der Regel um Stimulanzien, die sympathomimetisch wirkten (7)(8)(9)(10)(11)(12)(13)(14):

  • Frühere Generationen von Fat-Burnern setzten z.B. auf Ephedra-Alkaloide als bioaktive Wirkstoffe, die zu einer Stimulation des sympathischen Nervensystems (und damit einer auch einem gesteigerten Metabolismus, bei dem beispielsweise vermehrt Körperfett als Energieträger verbrannt wird) beitrugen.
  • Kurze Zeit später folgte der populäre ECA-Stack – eine Kombination aus Ephedrin/Ephedra, Koffein und Aspirin – der sich insbesondere in der Bodybuildingszene großer Beliebtheit erfreute.
  • Fat-Burner der neueren Generation greifen dagegen auf Wirkstoffe, wie z.B. Koffein, Synephrin, alkaloidfreie Ephedra-Extrakte, Chlorogensäure und Epigallocatechin-Gallat (EGCG) zurück, die entweder isoliert verwendet oder miteinander und mit anderen Substanzen kombiniert werden.

Die Überlegung zur Supplementation stützt sich maßgeblich auf die Effekte, die die einzelnen oder kombinierten Wirkstoffe auf Stoffwechsel (gesteigerte Lipolyse aka Fettverbrennung und Thermogenese), sowie Sättigung bzw. Appetit haben – was zu besseren Fortschritten in Sachen Gewichts- und Fettreduktion führen soll („besser“ im Sinne von „über das gewöhnliche Maß hinaus, welches sich durch eine simple Veränderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens erreichen lässt“) (15)(16)(17)(18)(19)(20)(21)(22)(23).

Wirkungsmechanismen von „Fat-Burnern“ und thermogenen Supplementen, die auf einer kompetitiven Hemmung oder synergistischen Wirkung (kortikal oder peripher) basieren. (Bildquelle: Clark et al., 2021)

Wirkungsmechanismen von „Fat-Burnern“ und thermogenen Supplementen, die auf einer kompetitiven Hemmung oder synergistischen Wirkung (kortikal oder peripher) basieren. (Bildquelle: Clark et al., 2021)

Marketing Vs. Evidenz

Es gibt zwar inzwischen zahlreiche anekdotische Berichte und vereinzelte Studien, welche die Wirkung untermauern, allerdings werden die vielen Behauptungen nicht immer durch die vorhandene Literatur gestützt (11)(16)(24)(25)(26).

Ein problematischer Aspekt der bisherigen Studienlage ist, dass die Effektivität dieser Supplemente häufig nur akut untersucht wird (d.h. man studiert nur die unmittelbare Reaktion, z.B. im Zuge eines Workouts), während jeder von uns weiß, dass eine erfolgreiche Gewichts- und Fettreduktion nichts ist, dass sich über Nacht einstellt - es sind also Studien erforderlich, die einen längeren Zeithorizont in verschiedenen Populationen analysieren, um herauszufinden, wer überhaupt von einer Ergänzung profitiert (13)(16)(25)(26)(27)(28).

Anekdotische Befunde und Einzelstudien reichen jedoch nicht aus, um die Effektivität eines Wirkstoffs zu bestätigen. Wie dünn die empirische Sachlage tatsächlich ist, zeigt ein vor wenigen Jahren veröffentlichtes Review von Heuberger & Cohen (2019), bei dem die Autoren den Evidenzgrad der von der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) verbotenen Substanzen überprüft haben: Von insgesamt 23 Substanzklassen zeigten lediglich 5 Kategorien eine ausreichende Evidenz hinsichtlich der Steigerung der Leistungsfähigkeit (dazu gehörten Anabolika, β2-Agonisten, Stimulanzien, Glukokortikoide und β-Blocker) (28).

Ein solcher Umstand zeigt vor allem eines: Viele Substanzen, denen eine vorteilhafte Wirkung nachgesagt wird, müssen dieses Versprechen nicht unbedingt halten – und dies könnte auch auf viele Fat Burner zutreffen, zumal potenzielle Effekte häufig auf einem Spektrum stattfinden (8)(16)(26)(29)(30)(31)(32)(33), so dass systematische Ansätze erforderlich sind, um die zugrundeliegenden Mechanismen und die Auswirkung einer (langfristigen) Supplementation zu bewerten.

Beispielsweise gilt es die Frage zu klären, inwiefern ein Nahrungsergänzungsmittel, dass als Fat-Burner vermarktet wird, eine tatsächliche thermogene Aktivität herbeiführt, die zu einem verbesserten Verlust von Körperfett bei entsprechender Dosierung und Dauer der Einnahme führt, die sich auch unabhängig vom Bewegungsverhalten (d.h. Sport und Training) zeigt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch der Sicherheitsaspekt dieser Substanzen, von denen durchaus bekannt ist, dass ihre Einnahme mit gewissen Gefahren und Risiken für die Gesundheit einhergehen kann (13)(14)(27)(32)(34)(35)(36). Daraus gilt es letztendlich eine „Kosten-Nutzen“-Analyse für die langfristige Verbesserung der Körperkomposition abzuleiten.

Wenn du also wissen möchtest, wie effektiv (& sicher) Fat Burner und thermogene Wirkstoffe zur Gewichts- und Fettreduktion tatsächlich sind, stehst du mit diesem Anliegen nicht alleine dar. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wollte genau das herausfinden. Die Resultate ihres systematischen Reviews mit Meta-Analyse veröffentlichte das Forscher-Team vor kurzem in einem Journal.

Schauen wir uns also an, zu welchem Fazit die Herren und Damen gelangt sind. (...)


Dieser Artikel erschien in der 06/2022 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

Die MHRx ist Deutschlands einziges, evidenzbasiertes Fachmagazin für (Kraft)-Sportler, Fitness-Nerds und Trainer/Coaches, welches dein Wissen über Training, Ernährung und Gesundheit auffrischen, vertiefen und erweitern wird.

Abonniere noch heute die monatliche Ausgabe der Metal Health Rx oder schalte deinen persönlichen MHRx Zugang frei, um keine Beiträge und Ausgaben zu verpassen.

Jetzt MHRx Magazin Abo oder Zugang freischalten Jetzt als MHRx Leser einloggen

Bildquelle Titelbild: depositphotos / HayDmitriy


Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts