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Myokarditis nach einer COVID-19 Infektion: Eine wissenschaftliche Evaluation der Prävalenz in Leistungssportlern

Wer hätte im letzten Jahr vermutet, dass uns die Corona-Pandemie noch bis weit in das Jahr 2021 begleiten und dermaßen stark beeinflussen wird? Spätestens mit der Entwicklung zahlreicher und effektiver Vakzine – darunter von BionTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca – und den folgenden Impfungen, wäre man wohl davon ausgegangen, dass sich die Lage entspannt, so dass wir wieder allmählich zurück zu unserem geregelten Alltag zurückkehren können würden.

Nun, die Lage hat sich tatsächlich zum Sommer ein wenig entspannt, doch inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass es mit einer Doppelimpfung nicht getan ist.

Ich gebe zu, dass ich die ganze Debatte über die Impfhäufigkeit eher am Rande verfolgt und mich nicht halb so intensiv damit befasst habe, wie ich es vielleicht hätte tun können (oder sollen). Was ich jedoch weiß, ist, dass im Frühjahr nächsten Jahres eine dritte Impfung auf mich wartet (und wer weiß, wie viele „Booster“ – und damit meine ich nicht die Pre-Workout Booster – noch so auf uns zukommen werden. Ein Aspekt, der mich als Sportler im Rahmen einer potenziellen SARS-CoV-2 Infektion jedoch immer wieder beschäftigt hat, ist das womöglich erhöhte Risiko einer Herzmuskelentzündung, die anscheinend auch im Zuge einer Impfung gegen Corona auftreten kann:

Myokarditiden nach Impfungen mitCOVID-19-mRNA-Impfstoffen sind gesicherte, aber sehr seltene unerwünschte Ereignisse, die bei Jungen häufiger als bei Mädchen auftreten (ca. 1 : 17.000 bzw. 1 : 110.000 nach der 2. Impfung). Der akute Verlauf der Myokarditiden ist unter stationärer Behandlung meist mild; über mögliche Langzeitfolgen liegen bisher keine Erkenntnisse vor. (…)

Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen ohne Vorerkrankungen sind eine absolute Seltenheit. In Einzelfällen kann es jedoch in Folge von COVID-19 zu schwerwiegenden Krankheitsmanifestationen kommen (z. B. Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome [PIMS] und Myokarditis), deren Langzeitprognosen nicht endgültig bekannt sind. Während in Deutschland bisher nur wenig über (Peri-)Myokarditis-Fälle in Folge einer COVID-19-Erkrankung im Kindes- und Jugendalter bekannt ist, deuten US-amerikanische Registerdaten darauf hin, dass Myokarditiden durchaus auch nach SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen auftreten. – Robert Koch Institut, 2021

Robert Koch Institut, 2021, S. 4

Eine Myokarditis tritt üblicherweise im Zuge einer bakteriellen bzw. viralen Infektion auf. Sie kann ohne Symptome verlaufen (8)(9)(10)(11), allerdings auch zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, sowie zu einer Vernarbung des Herzgewebes führen und die Fähigkeit des Herzens beeinträchtigen, Blut durch den Körper zu pumpen. Unbemerkt und unbehandelt kann eine solche Entzündung der Herzmuskulatur im Schlimmsten aller Fälle zum plötzlichen Herztod („sudden cardiac death“, SCD) führen.

Kurz gesagt: Damit ist nicht zu spaßen.

Im Laufe der Jahre ist die Zahl der anerkannten Viren, die mit entzündlicher Kardiomyopathie in Verbindung gebracht werden, gestiegen. Diese Entwicklung ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass im Laufe der Zeit absichtlich ein breiteres Repertoire an Viren entdeckt wurde, aber auch auf das Auftreten neuer Viren oder Virusgenotypen im Herzen. (Bildquelle: Tschöpe et al., 2020)

Im Laufe der Jahre ist die Zahl der anerkannten Viren, die mit entzündlicher Kardiomyopathie in Verbindung gebracht werden, gestiegen. Diese Entwicklung ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass im Laufe der Zeit absichtlich ein breiteres Repertoire an Viren entdeckt wurde, aber auch auf das Auftreten neuer Viren oder Virusgenotypen im Herzen. (Bildquelle: Tschöpe et al., 2020)

(Leistungs-)Sportler können durch ihre Trainingsgewohnheiten und die Tatsache, dass sie an Wettkämpfen teilnehmen, bei denen man sich mit dem SARS-CoV-2 Virus infizieren kann, besonders stark gefährdet sein (3)(4)(5)(6)(7), weshalb jüngere (<35-40 Jahre) und vermeintlich fitte Athleten nach einer nachgewiesenen Infektion bzw. erfolgreichen Impfung besonders umsichtig handeln sollten, um eine Myokarditis als Spätfolge auszuschließen.

Einige Untersuchungen der letzten Monate fanden in diesem Kontext – mit Hilfe einer kardialen Magnetresonanztomographie (kernspintomographischen Untersuchung des Herzens, CMR) – entsprechende Fälle einer Myokarditis in Leistungssportlern mit asymptotischem bzw. mildem asymptotischen Verlauf nach einer COVID-19 Infektion (12)(13). Die Prävalenz einer Herzmuskelentzündung wird in diesen Arbeiten unterschiedlich stark eingeschätzt – nämlich bei 0-15% (12)(14)(15).

Die unterschiedlichen Resultate bei der gefundenen Prävalenz unterstreichen die potenzielle Bedeutung einer kardialen Magnetresonanztomographie bei der Identifizierung einer subklinischen Myokarditis, die ohne einschlägige kardiale Symptome auftritt.

Institutionen, an denen Leistungssport betrieben wird (z.B. amerikanische Colleges, aber auch Sport-Konferenzen) haben aus diesem Grund entsprechende Screening-Protokolle entwickelt, die nach einer durchlebten Infektion eine sichere Rückkehr zum Sportalltag („Return to Play“) gewährleisten sollen. Dazu gehört unter anderem der Einsatz einer kardialen Magnetresonanztomographie, aber auch Messungen via Elektrokardiogramm (ECG), via Echokardiogramm und Analysen des Troponinspiegels im Serum (16)(17).

Damit kommen wir zum eigentlich Kernelement dieses Beitrags, nämlich einer aktuellen Untersuchung zur Myokarditis-Prävalenz nach einer COVID-19 Infektion in Leistungssportlern, die den Nutzen unterschiedlicher diagnostischer Screening-Methoden bewertet hat, um Sportlern und Athleten eine sichere Rückkehr zum Training und Wettkampfsport zu ermöglichen.

Also, schnall‘ dich an – es geht los.


Dieser Artikel erschien als Editorial-Beitrag in der November 2021 Ausgabe des MHRx Magazins. Registriere dich kostenlos oder logge dich mit deinem bestehenden Account ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen!


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Bildquelle Titelbild: depositphotos / photographee.eu


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