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Trainingsadaption: Welchen Einfluss hat unsere Genetik auf die Trainierbarkeit der kardiovaskulären Fitness, Muskelkraft & anaeroben Leistung

Unsere Genetik hat einen großen Einfluss darauf, wie wir – oder präzisier formuliert, unser Körper – auf Sport und Training reagiert. Das geht soweit, dass zwei gleichaltrige und gleich schwere Menschen mit identischem Lebensstil, einer ähnlichen Ernährung und dem gleichen Trainingsplan binnen eines bestimmten Zeitraums unterschiedlich schnell an Kraft, Ausdauer und Muskelmasse zulegen oder mehr Fett verlieren.

Im Verlauf unser zahlreichen Beiträge haben wir beispielsweise des Öfteren von sogenannten High-Respondern gesprochen. Dieser Begriff beschreibt Menschen, die überdurchschnittlich stark auf einen Trainingsstimulus reagieren. Personen, welche in diese Kategorie fallen, müssen – überspitzt formuliert – eine Hantel lediglich schief von der Seite anschauen, um atemberaubende Fortschritte in Sachen Kraft- und Muskelaufbau zu erzielen. Die Progression kann sogar derart schnell und markant von statten gehen, dass man vermuten könnte, dass die betreffende Person ihrem persönlichen Trainingsglück mit unkeuscheren Mitteln (z.B. anabolen Steroiden) ein wenig nachhilft.

Nun, das muss natürlich nicht immer der Fall sein. Die Geschwindigkeit, mit der sich Fortschritte zeigen, hängt von einer Vielzahl von Variablen – darunter Alter, Geschlecht, Ernährung, sowie Trainingsbackground und -planung ab, die bei einer Überlegung entsprechend berücksichtigt werden müssen.

Die genetische Ausstattung ist jedoch zweifelsohne auch ein solcher Faktor, der darüber entscheiden kann, ob du im Verlauf von 6 harten Trainingsmonaten lediglich 2 oder gar 6 kg an reiner Muskelmasse zulegst. Tatsächlich ging man anhand bisheriger Untersuchungen davon aus, dass unsere Genetik bis zu 80% der beobachteten Variabilität in Sachen Kraft-, Ausdauer- und Leistungsanpassung erklären kann (17)(18)(19)(20), allerdings ist es bisher nicht gelungen einzelne Gene oder Genvariationen zu identifizieren, die als einzige für eine bestimmte  Trainingsadaption (z.B. Muskelaufbau) verantwortlich sind (21)(22). Nichtsdestotrotz zeigen einige, inzwischen gut untersuchte, Gene eine signifikante Assoziation zwischen Trainingsadaption und Performance, was zu potenziellen Vorteilen in kompetitiven Sportarten führen kann (23)(24). Zudem sind zahlreiche weitere Gene dazu in der Lage verschiedene Aspekte der Fitness (z.B. Stoffwechsel, Zellwachstum, sowie Hormon- und Enzym-Interaktionen) zu beeinflussen (25)(26)(27)(28).

Genetisch gesegnet zu sein (im Sinne einer genetischen Ausstattung, die eine starke Trainingsadaption zur Folge hat) reicht aber natürlich nicht aus, um ein Elite-Sportler werden – man muss auch (richtig) trainieren und alle anderen Faktoren berücksichtigen. Der Genotyp stellt die Gesamtheit unserer Gene dar, doch ihre Aktivität hängt auch von unser Umwelt, unserem Lebensstil und unseren Gewohnheiten ab (Epigenetik), die schlussendlich über die Ausprägung entscheiden, wobei man in diesem Zusammenhang vom Phänotyp spricht. Und diese phänotypischen Veränderungen lassen sich bis zu einem gewissen Grad steuern, z.B. in Form von Muskelaufbau durch regelmäßiges und forderndes Krafttraining, was den Körper gleichzeitig stärker und widerstandsfähiger macht, als vor der Trainingsaufnahme.

Ein Team aus Forschern hat mit Hilfe eines systematischen Reviews mit Meta-Analyse versucht herauszufinden, welche Gene den stärksten Einfluss auf die phänotypische Veränderung bzw. Adaption der kardiovaskulären Fitness, der Muskelkraft und der anaeroben Leistung haben – und diese Arbeit möchte ich, zusammen mit dir, im Rahmen dieses Beitrags einmal genauer beleuchten. (...)


Dieser Artikel erschien in der 05/2023 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Andrey Popov


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