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Spitzenleistung Vs. langes Leben: Schließt sich beides gegenseitig aus?

Das Sport und Bewegung gesund für uns sind, wissen die meisten Menschen. Wer sich vorher kaum im Alltag bewegt hat und seinen Aktivitätslevel moderat erhöht, profitiert nicht nur auf physischer, sondern auch auf psychischer Ebene. Dabei reden wir nicht nur von solchen Dingen, wie einer gesünderen Appetitregulation, einer gesteigerten Kondition sowie besserem Schlaf, sondern auch einer besseren mentalen Verfassung und einer höheren Lebensdauer (19). 

Sport und Bewegung werden häufig als eine Art von „Jungbrunnen“ angesehen, die uns dabei helfen kann bis ins hohe Alter fit und aktiv zu bleiben, indem sie unsere Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit unterstützt. Diese Wahrnehmung ändert sich jedoch schlagartig, wenn wir uns dem strukturierten Training bzw. dem Leistungssport und der Spitzenleistungsfähigkeit von Elite-Sportlern zuwenden. Hier heißt es dann oft, dass der Sport „seinen Tribut fordert“ und dass die Gesundheit eher drunter leidet, als dass sie dadurch optimiert wird.

Bedenken darüber, dass zu viel Sport schädlich für den Körper ist, sind gewiss nicht neu, wie z.B. die Geschichte von Pheidippides illustriert. Einer der vielen Erzählungen zur Folge rannte Pheidippides (in manchen Quellen Eukles) von Marathon bis nach Athen – eine Strecke über 42 km - um Kunde vom Sieg der Griechen über die Perser zu überbringen. Dieser Lauf soll sich für ihn als fatal erwiesen haben, da er kurz danach an den Folgen der extremen körperlichen Erschöpfung zusammenbrach und verstarb (21). Die moderne Wissenschaft postuliert einen  „U“-förmigen bzw. „J“-förmigen Zusammenhang zwischen Sportpensum und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken (sog. „Extreme Exercise Hypothesis“) (3)((4), wobei eine moderate Menge an Sport eine stark vorteilhafte Wirkung auf die Gesundheit und Langlebigkeit (im Vergleich zur körperlichen Inaktivität) bietet. Extreme Trainingsdosen, wie sie oftmals bei Elite-Sportlern genutzt werden, um Spitzenleistung zu erbringen, kehren die positiven Effekte wieder um, so dass die gesundheitlichen Risiken mit zunehmendem Pensum ansteigen.

Konzeptioneller Überblick über die „Extreme Exercise Hypothesis“: Mit zunehmendem Trainingsvolumen nehmen die Gesundheitsrisiken kurvenförmig ab, doch können diese gesundheitlichen Vorteile teilweise wieder verloren gehen, sobald das Trainingspensum einer Person über die optimale Trainingsdosis hinaus geht. (Bildquelle: Eijsvogels et al., 2018)

Konzeptioneller Überblick über die „Extreme Exercise Hypothesis“: Mit zunehmendem Trainingsvolumen nehmen die Gesundheitsrisiken kurvenförmig ab, doch können diese gesundheitlichen Vorteile teilweise wieder verloren gehen, sobald das Trainingspensum einer Person über die optimale Trainingsdosis hinaus geht. (Bildquelle: Eijsvogels et al., 2018)

Die Hypothese wird vor allem durch Untersuchungen im Bereich des Ausdauersports gestützt, bei denen gezeigt werden konnte, dass das regelmäßige hoch-intensive Training bzw. die Teilnahme an extremen Sportveranstaltungen (Marathon, Radrennen, [Ironman-]Triathlon) in einigen Sportlern zu einer strukturellen Veränderung der Herzmuskulatur/-funktion und einer akuten Erhöhung von Biomarkern führen, die mit Verletzungen am Herzen, einer verminderten links- und rechtsventrikuläre Ruhefunktion und Myokardfibrose assoziiert sind (22).

Epidemiologische Daten zeigen allerdings, dass die Realität – wie so oft – weitaus komplexer ist, wobei Populationsstudien nahelegen, dass ein intensives Training mit höherem Volumen keinen zusätzlichen Vorteil in Bezug auf die Lebensdauer (im Vergleich zu einem überwiegend sitzenden Lebensstil) bietet oder dieser gar schadet (23). Die Ergebnisse dieser Studien sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie häufig auf Basis einer geringeren Anzahl von Freizeitsportlern gewonnen wurden und damit nicht zwangsweise auch auf andere Bevölkerungsgruppen, wie z.B. die Sport-Elite (z.B. Olympioniken, Wettkampfruderer oder Tour de France Teilnehmer) übertragbar sind, deren Lebenserwartung höher zu liegen scheint, als in der Allgemeinbevölkerung  (24)(25)(26)(27). Ein interessantes und erwähnenswertes Detail der bisherigen Studienlage ist, dass sich ein Großteil der Forschung eher auf den Aspekt der (extremen) Trainings- und Belastungsdauer konzentriert hat, während die Intensität des Trainings bislang weitestgehend vernachlässigt wurde.

Ich denke wir können uns alle darauf einigen, dass ein Lauf von 1,60 km in unter 4 Minuten zweifelsohne eine atemberaubende, sportliche Leistung darstellt. Die Wenigsten von uns würden dies vermutlich selbst nach jahrelangem Training hinkriegen und tatsächlich hielt man es lange Zeit für unmöglich, dass ein normaler Mensch jemals in der Lage sein würde den Meilenlauf in so kurzer Zeit zu absolvieren (28)(29)(31). Dies war zumindest so lange der Fall, bis Roger Bannister daher kam und in Oxford die sogenannte „Traummeileam 6. Mai 1954 mit einer Zeit von 3:59,4 Minuten knackte. Seit diesem monumentalen Meilenstein der menschlichen Sportgeschichte gab es mehr als 2.000 Sportler, die es Bannister gleich getan haben und die Meile in weniger als 4 Minuten liefen (der aktuelle Rekord wird übrigens von dem Marokkaner Hicham El Guerrouj mit einer Zeit von 3:43,14 Minuten gehalten, der 1999 aufgestellt wurde) (32)(33).

Damit nähern wir uns auch der eigentlichen Kernfrage, um die es nachfolgend in diesem Beitrag eigentlich gehen soll: Welchen Preis müssen ambitionierte Sportler für das Erreichen derartiger Höchstleistungen bezahlen? Schadet das harte Training tatsächlich der langfristigen Gesundheit, was zu einem kürzeren Leben führt oder verfügt diese Gruppe von Elite-Athleten gar tatsächlich über eine höhere Lebenserwartung, als der Otto-Normal-Bürger? Um diese Frage zu beantworten, führte ein Team aus Wissenschaftlern eine Lebensdauer-Analyse der ersten 200 Sportler durch, welche die Meile in unter 4 Minuten gelaufen sind. Dieser Arbeit (und ihren Resultaten) werden wir uns nun in aller Ausführlichkeit widmen. (...)


Dieser Artikel erschien in der 12/2025 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Brian Jackson


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