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Minderwertig, aber effektiv?! Helfen Kollagen-Supplemente wirklich beim Muskelaufbau?

Wie stehst du zu Kollagen im Allgemeinen und einer Ergänzung im Speziellen?

Vermutlich hast du kein so gutes Bild von diesem Protein, welches häufig als minderwertig bezeichnet wird, weil es einen niedrigen Gehalt an essenziellen Aminosäuren hat. Diese sind für unseren Körper jedoch besonders wichtig, weil er sie nicht selbst herstellen kann. Und das obwohl diese elementaren Baustoffe für eine Vielzahl von vitalen Funktionen (z.B. Immunsystem, Hormonsynthese), sowie den heißgeliebten Muskelaufbau, unerlässlich sind.

Innerhalb der Kraftsportgemeinschaft gelangte Kollagen zu einem höchst zweifelhaften Ruf, weil es von vielen Supplement-Herstellern als Zutat in Produkten verwendet wurde, wo es eigentlich nichts zu suchen hatte. Und dessen waren sich auch die Hersteller bewusst, weil man dieses kleine Detail häufig nicht einmal auf dem Label erwähnte. Bedingt durch die Tatsache, dass es ein relativ günstiger Rohstoff ist, der zudem aus Protein besteht, konnte man damit den Proteingehalt vieler Produkte kosteneffizient nach oben schrauben (diese Strategie bezeichnet man im Übrigen als “Protein Spiking” bzw. “Amino-Spiking“). Und wir alle wissen, dass mehr Protein immer besser ist, oder? (Ach, deswegen bringt jetzt jeder eine Proteinvariante seines Produkts heraus …).

Im Falle von Kollagen ist es allerdings so, dass dieses Protein eine geringe biologische Wertigkeit (BV) besitzt, da ihm wichtige essenzielle Aminosäuren fehlen. Oder um es konkreter auszudrücken: Die biologische Wertigkeit von Kollagen liegt bei Null. Autsch…

Aminosäureprofil eines Supplements mit Collagen-Peptiden. Die biologische Wertigkeit von Null kommt durch die fehlenden Aminosäuren Tryptophan und Cystein zu Stande.

Aminosäureprofil eines Supplements mit Collagen-Peptiden. Die biologische Wertigkeit von Null kommt durch die fehlenden Aminosäuren Tryptophan und Cystein zu Stande, die als essenziell eingestuft werden. (Bildquelle: Zdzieblik et al., 2015)

Nun kann man kollagenhaltigen Produkten, die in proteinreichen Supplementen bzw. Nahrungsmitteln verwendet werden, halten was man will. Im Kontext des Kraftsports und Muskelaufbaus gibt es zweifellos hochwertigere Proteinarten. Und vor dem Hintergrund, dass man im Verlauf des Tages verschiedene Proteinquellen verzehrt, ist das Ganze auch weitaus weniger tragisch, weil sich die Aminosäureprofile ergänzen. Wenn man also zu Mittag Kartoffeln mit Steak isst und sich als Dessert noch einen Protein Cookie gönnt, bei dem Kollagen die Hauptzutat ist, dann ist das Ganze zwar nicht schön, aber weitaus weniger tragisch, weil die fehlenden Aminosäuren im Cookie durch die Aminosäuren der vorherigen Mahlzeit ausgeglichen werden. Wenn ich mir jedoch ein hochpreisiges Whey kaufe, dann will ich trotzdem nicht, dass ein Teil des darin enthaltenen Eiweißes mit Kollagen gestreckt wurde, denn schließlich habe ich auch dafür entsprechend viel Geld auf den Tisch gelegt.

Dennoch wäre es fatal, wenn man nun behaupten würde, dass reines Kollagen nutzlos sei, denn es spielt eine überaus wichtige Rolle in der extrazellulären Matrix (ECM), wo es das Bindegewebe unseres Körpers nährt. Dies ist auch ein Grund, wieso die Ergänzung mit Kollagen zurzeit rege erforscht wird, wenn es um die Aufrechterhaltung und Optimierung der Gelenkgesundheit geht (2) – was wiederum (vor allem für Kraftsportler) ein wichtiger Faktor für die kontraktile Kraftentwicklung ist (3).

Aber es geht hierbei nicht nur um Körperkraft, sondern auch um fettfreie Masse (FFM), wie aktuelle Untersuchungen zeigen, bei denen man die Auswirkungen von Kollagen-Supplementen – in Kombination mit Widerstandstraining – untersucht hat. Können wir als Kraftsportler also von einer gezielten Ergänzung profitieren, obwohl die biologische Wertigkeit für den Poppes ist? Und falls dies zutreffen sollte, lautet die nächste Frage: In welchem Umfang?

Lass‘ uns mal schauen, was diese Arbeiten zu berichten wissen.


Dieser Artikel erschien als Editorial-Beitrag in der November 2019 Ausgabe des MHRx Magazins. Registriere dich kostenlos oder logge dich mit deinem bestehenden Account ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen!


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Bildquelle Titelbild: depositphotos / zamuruev


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