Der Mythos der Negativkalorien: Abnehmen durch „smarte“ Lebensmittelwahl?

Der Mythos der Negativkalorien: Abnehmen durch „smarte“ Lebensmittelwahl?
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Bei der Erstellung eines Ernährungsplans gilt es neben der Verteilung der Makronährstoffe und Mikronährstoffe in erster Linie auf die Menge der Kalorien zu achten. Nicht selten hört man, dass man dabei einige Nahrungsmittel ignorieren könne: Vor allem bei ballaststoffreichen und proteinreichen Lebensmitteln könne man getrost zuschlagen, teils würden die sogar beim Essen mehr Energie verbrennen als sie enthalten.

Verbreitet werden solche Aussagen gerne von denselben Quellen, die im Wochenwechsel Kohl-, Spargel-, Ananas-, Kartoffel-, Erdbeer-, Suppen- und dann wieder Kohldiäten abdrucken. Die Intention ist klar und wurde schon lange vor der erstmaligen Veröffentlichung dieser – nennen wir sie vorsichtig Unterhaltungsmedien – von einem der größten deutschen Denker aller Zeiten treffend beschrieben:

„Man kann nur etwas aussprechen, was dem Eigendünkel und der Bequemlichkeit schmeichelt, um eines großen Anhanges in der mittelmäßigen Menge gewiß zu sein.“ - Johann Wolfgang von Goethe

Kurzum: Solche Themen verkaufen sich gut, weil die Menschen sich insgeheim danach sehnen, weiter ihrer Bequemlichkeit fröhnen zu können und dennoch ihrem Wunsch nach einem gesunden und attraktiven Körper Genüge tun können. Entsprechend reißerisch werden sie beworben. Exemplarisch ein Beispiel der Frauenzeitschrift ELLE:

Genial: Diese 10 Lebensmittel gelten als Null-Kalorien-Snacks – weil du beim Essen mehr verbrennst, als du zu dir nimmst

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Der Mythos der Negativkalorien: Abnehmen durch „smarte“ Lebensmittelwahl?

Negativkalorien – eine Annäherung

Die Logik hinter diesem Mythos ist einfach: Es wird auf Lebensmittel abgezielt, die eine extrem geringe Kaloriendichte aufweisen. Bei diesen verbrauche man durch das Kauen und Verdauen mehr Energie als sie enthielten. Dauerbrenner in den darauf meist folgenden Listen sind Gurken, Spargel, Wassermelone und so weiter - also Lebensmittel, die in der Tat primär aus Wasser bestehen.

Spannend wird es, wenn man weiterliest: Da wird dann auf einmal gewarnt, dass dieser Trick nur in begrenztem Maße funktioniere. Ab einer gewissen Menge an Negativkalorien kehre sich deren Effekt um.

An dieser Stelle beginnt sich der geneigte Leser dann doch zu wundern. Also entweder ist der Aufwand 100 Gramm Gurke zu kauen und verdauen höher als die 15 Kalorien, die diese Menge enthält oder er ist es nicht. Ist er es, dann könnte man theoretisch auch fünf Kilo Gurke am Tag essen, ohne zuzunehmen. Viel besser: Mit jedem Bissen Gurke würde man seine Kalorienbilanz in die negative Richtung verschieben. Statt Cardio würde man künftig also einfach Unmengen an Gurke essen.

Grünes Gemüse ist reich an Wasser und Ballaststoffen, damit auch sehr energiearm und steht bei vielen in dem Ruf "negative Kalorien" zu enthalten. Würde dies der Wahrheit entsprechen, so könnte man sich "schlank futtern", indem man überwiegend grünes Gemüse isst. Doch wie sieht es in der Praxis aus?  

Grünes Gemüse ist reich an Wasser und Ballaststoffen, damit auch sehr energiearm und steht bei vielen in dem Ruf "negative Kalorien" zu enthalten. Würde dies der Wahrheit entsprechen, so könnte man sich "schlank futtern", indem man überwiegend grünes Gemüse isst. Doch wie sieht es in der Praxis aus? (Bildquelle: Fotolia / Elnur)

Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Ich nehme die Antwort vorweg: Ist es auch! Soweit, so erwartbar. Doch schauen wir uns einmal an Hand eines Rechenbeispiels an, warum das so ist (...)

Dieser Artikel erschien in der 04/2018 Ausgabe unseres MHRx Magazins

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / rh2010


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