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Atmung & Gesundheit: Was uns die Wim-Hof-Methode lehren kann

Atmung & Gesundheit: Was uns die Wim-Hof-Methode lehren kann

In diesem Beitrag möchte ich dir ein interdisziplinäres Thema näherbringen, welches von verschiedensten Gelehrten der Geschichte immer wieder untersucht wurde und für unser heutiges Leben nach wie vor von höchster Relevanz ist.

Ich spreche von der Atmung – oder besser gesagt: Von den Möglichkeiten der Atmung.

Ob Philosophie, Psychologie, Medizin, Biologie, Chemie, Religions-, Sport- oder Gesundheitswissenschaft: Alle diese recht unterschiedlichen Disziplinen kommen in Berührung mit den Ursachen und Auswirkungen der Atmung. Und obwohl diese Wissenschaften nicht ausschließlich den menschlichen Vorgang des Ein- und Ausatmens beschreiben, wird zumeist versucht Rückschlüsse von der Atmung auf die allgemeinen Vorgänge der Natur und des Menschen zu ziehen.

Um dies zu verstehen machen wir eine kleine Reise in die Geschichte: Als die zellulären Vorgänge der Atmung (Energiegewinnung durch Oxidation) und die Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-System und Lungensystem noch nicht in dem Maße bekannt waren, wie sie durch die moderne Naturwissenschaft bekannt geworden sind, kursierten in unterschiedlichen Kulturen und Gemeinschaften Konzepte über die Funktion der Atmung.

Atmung & Gesundheit: Was uns die Wim-Hof-Methode lehren kann

Ein kulturelle & historischer Abriss zur Funktion der Atmung

Die alten Ägypter (ab 1. Dynastie, 3100 v. Chr.) glaubten wahrscheinlich, dass Atmung in direktem Zusammenhang mit Heilung stand. Hinweise hierauf gibt es durch die Verehrung der Schutzgöttin Selket („die welche atmen läßt“) (1).

In der indischen Philosophie gibt es verschiedene Strömungen, aufbauend auf den alten Schriften der Upanishaden (ca. 800 v. Chr.), welche den Atman als Weltseele oder absolutes Selbst auffassen. Die Bedeutung auf Sanskrit bedeutet zudem „Lebenshauch“ und „Atem“, aber auch die sprachliche Nähe von Atman verweist auf die Atmung (2).

Die antiken Griechen (ausgehend von der Vier-Elemente-Theorie von Empodokles) erdachten den Atem (altgriech. „Pneuma“, ähnlich auch lat. „anima“: Seele, Atem) als Sinnbild für den Geist (3).

Der Begriff Pneuma geht auf den Philosophen und vermutlich ersten Empiriker (Erfahrungswissenschaftler) Aristoteles zurück, der Pneuma jedoch aufgrund seiner Hypothesen nur als „warme Luft“ auffasste. Atmung solle nur zur Abkühlung dieser „warmen Luft“ (damit jedoch auch zur Lebenserhaltung) dienen. Später (ca. 300 v. Chr.) nutzten die Stoiker den Begriff auch, um die Vorgänge des Körpers mit Bezug auf die Vier-Elemente-Theorie genauer zu erklären (4).

Zahlreiche Kulturen und Religionen brachten in der Vergangenheit den Atmen mit dem Konzept des Lebendingseins in Verbindung. Von den griechischen Philosophen der Antike wurde die Seele als der unkörperliche oder geistige "Atem" betrachtet, der den Organismus belebt (von lat. anima, vgl. "Tier"). (Bildquelle: depositphotos / wtolenaars)

Der Philosoph Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854) nutzte erstmals den Begriff der Pneumopathologie im Rahmen seiner Geschichtsphilosophie als Sinnbild für den Verlust des Geistes bzw. des „Irreseins“. Dieser Begriff wird später von Eric Vögelin aufgegriffen und in Kontrast zur Psychopathologie gestellt, was als Kritik am damaligen Reduktionismus der Psychologie des Menschen auf Triebe, Motivationen und Bedürfnisse verstanden werden kann (5). Der Geistes-Begriff des Menschen und damit auch die Verbindung zur Atmung (Pneuma bedeutet schließlich beides) sind im Vergleich zu vergangenen Kulturen verloren gegangen.

Die erste mir bekannte und umfassende Erklärung der Wirkweise des Atems unter naturwissenschaftlichen und ergänzend idealistischen Gesichtspunkten findet sich bei Dr. Gérard Encausse (1865-1916, Pseudonym: Papus).

In „Grundriss der synthetischen Physiologie“ (nach der spanischen Ausgabe von Alfredo R. de Aldao, Madrid, 1898) beschreibt Papus das physiologische Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Atmung und Körper als einen (...)


Dieser Artikel erschien in der 11/2020 Ausgabe des Metal Health Rx Magazins.

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Bildquelle Titelbild: depositphotos / mavoimages


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